Cheeseburger
3 08 2010Gestern Abend war ich mit Marc in der Stadt und wir haben auf andere Leute gewartet. Hungrig frage ich Marc, ob er noch schnell zu Mc Donald’s fahren kann (nur er hatte ein Fahrrad) und mir einen Cheeseburger mitbringt. Und, aus einem spontanen Gedanken heraus meine ich: “Und einen Chickenburger.” Dabei würde ein Burger für meinen Hunger ausreichen, wahrscheinlich ist es das Gefühl, dass mich schon die ganzen letzen Tage umgibt: “Das würde ich auch gerne mal wieder essen!”
Während er also unterwegs ist, warte ich bei den Schweinen an der Sögestraße und sehe einen Obdachlosen, den ich vom Brötchenverteilen kenne, und bekomme ein schlechtes Gewissen, wie ich neben ihm essen könnte, während er womöglich hungert. Als ich nachdenke, ob ich ihm den zweiten, eigentlich überflüssigen Burger abgeben soll, steht er jedoch auf und geht. Ich bin dadurch eigentlich ganz froh, mir keine weiteren Gedanken machen zu müssen und den Abend genießen zu können.
Ich denke noch, ich könnte ja hinterher gehen, aber bis Marc mit den Burgern kommt, ist der Mann bestimmt schon nicht mehr auffindbar. Es sei denn er kommt zurück. Aber das macht er ja mit Sicherheit nicht. Denke ich.
Wie es allerdings kommen musste, kommt er zwei Minuten später wieder zurück getrottet und meine Gedanken drehen sich wieder im Kreis. Ich überlege, wie ich das Gewissen wegreden könnte; denke nach links, denke nach rechts.
Der alte Herr ist mittlerweile schon an mir vorbei geschlendert und ich habe ihn nur so grade eben noch im Blick, als Marc zurückgeradelt kommt. Schnell greife ich mir die Tüte, laufe hinterher und stelle mir die Frage ob ich ihn mit meinem Angebot beleidigen würde (Das kann durchaus mal vorkommen).
Er hat sich mittlerweile hingesetzt, neben ihm gehen Jugendliche auf dem Weg zur Disko und er ist eher Teil der Deko, des Drumherum, als Teil der Gesellschaft. Ich gehe direkt auf ihn zu und sehe eine leichte Überraschung in seinem Blick, dass ich keinen Bogen mache, wie die meisten.
Ich: “Ein Kumpel hat mir grade zwei Burger mitgebracht. Möchten Sie einen abhaben.”
Er: “Ja, einen würde ich schon ganz gerne nehmen. Was hast du denn da?”
Ich: “Einen Cheeseburger und einen Chickenburger.”
Er: “Käse schmeckt mir eigentlich ganz gut.”
Ich: “Wunderbar, dann nehm ich den mit Hähnchen.”
Wir fangen an zu reden, ich erzähle ihm, dass ich ihm schon ein paar Mal begegnet bin und zu den Leuten gehöre, die ihm einen Schlafsack geschenkt haben, den er auch immer noch besitzt. Wir reden über mein Jahr in Israel, über die Gaza-Flotte und die Sicherheit da unten.
Er erklärt mir, dass er von dem Ort, wo er vor einem Jahr noch meistens gesessen hat, vertrieben wurde und auch dort, wo er jetzt schläft, wird er häufig von der Polizei vertrieben.
Ich denke nicht lange darüber nach, ob er zu faul zum arbeiten ist oder welche Umstände ihn in seine Situation gebracht haben, tüftel keinen Rettungsplan aus, sondern freue mich, dass ich nicht zu ängstlich war, ihn anzusprechen und dass ich ein nettes Gespräch führen konnte.
Manche mögen es Schicksal oder Zufall nennen, doch ich bin überzeugt, dass Gott seine Finger im Spiel hatte, als ich mir auf einmal einen zweiten Burger hab mitbringen lassen und der Mann zurückkam.
Kategorien : Armut





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