September Leaves – Friendship Manifesto

5 12 2010

In Israel habe ich einen großen Fehler gemacht. Mehrfach. (Neben genügend anderen natürlich.)
Als Musikliebhaber war ich ungeduldig und habe CDs als mp3 gekauft, weil ich die ewigen Lieferzeiten nicht abwarten konnte. Unter anderem ist mir dieses Missgeschick bei September Leaves‘ Album „Cover The Sky With Gold“ passiert.
Als der Künstler vor kurzem über Twitter (@mrleaves) verbreitete, dass derzeit keine Versandkosten für das neue Werk „Friendship Manifesto“ anfallen, habe ich zugegriffen.

Einige Tage später kam das Päckchen an und nach dem Auspacken war ich echt umgehauen. Solch eine liebevoll gestaltete CD hatte ich vermutlich noch nie in der Hand.

Im Zentrum steht oder besser gesagt hängt ein kleines Pappmännchen, dass sich aus einem brennenden Fenster hinaus rettet und unten auf der Straße mit einem Sprungtuch erwartet wird. Darüber hinaus gibt es aber noch einige weitere, kleine Details zu entdecken.

Dieses Album hat mich darin bestätigt, Musik – die nebenbei bemerkt wunderbarst klingt – nicht nur auf irgendeinem Wege zu kaufen, sondern auch in die materielle CD mit ihrem ganz speziellen Artwork zu investieren.
Von nichtssagenden mp3s bin ich ersteinmal geheilt. Danke Mr. Leaves.

Website: http://septemberleaves.com/

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Fazit

28 09 2010

Mittlerweile bin ich schon eine Weile wieder in Deutschland. Da ist es mal an der Zeit, ein Fazit zu wagen; die Erfahrungen des Jahres zusammenzufassen.

Anfangszeit:

Ich hatte mir in dem Jahr in Israel relativ wenig vorgenommen und auch kaum Vorstellungen mitgebracht. Ich wollte es auf mich zukommen lassen und schauen was passiert. Mit der Einstellung habe ich dann auch Deutschland verlassen, hab mein halbes Zimmer im Aufräumwahn weggeschmissen und mich voll auf das neue Land eingelassen.

Angekommen war ich erstmal überrascht, vom Land, von Jerusalem, von der Arbeit. Obwohl ich wenig Erwartungen hatte, waren diese doch anders als das, was ich vor Ort antraf. Zum Anfang wusste ich nicht, wie ich mit den Behinderten umgehen sollte, doch nachdem ich die erste Zeit durchgestanden hatte, wurden viele Handgriffe zur Routine. Duschen, Zähne putzen, rasieren, anziehen, füttern und das, was sonst noch so anfiel ging mir leicht von der Hand. Das ungewohnte Feld, die Arbeit mit Behinderten, stellte mich und auch meine WG-Kollegen vor einige Herausforderungen, die wir meist dadurch verarbeiteten, dass wir nach einer Schicht gemeinsam in der Küche saßen und zwei Stunden lang nur erzählten, was alles passiert war, und lachten. Jetzt wo ich wieder zurück bin haben ich einen viel geschulteren Blick auf Behinderte und mir fallen häufig Menschen im Rollstuhl auf.

Nachdem sich die anfänglichen nächtlichen Träume, zurück nach Deutschland zu gehen, wieder verflüchtigt hatten, war ich endgültig angekommen und musste ich mich im Laufe der Zeit dann nicht mehr auf die Arbeit an sich konzentrieren, sondern konnte mich viel besser mit Menschen beschäftigen.

Holocaust:

Das schwärzeste Kapitel deutscher Geschichte ist immer präsent. Mal mehr, mal weniger auffällig. Gleich während des Einführungsseminars waren wir in Yad Vashem, der Holocaust-Gedenktstätte. Die Atmosphäre dort ist bedrückend, weil die Vergangenheit sehr gut aufbereitet ist, und man als Deutscher natürlich auch viele Reden und Plakate ohne Übersetzung verstehen kann.

Im Laufe des Jahres haben uns auch immer wieder Shoa-Überlebende im Hauskreis besucht und ihre Lebensgeschichte erzählt. In Deutschland finde ich, dass man vor allem in der Schule, häufig mit dem Holocaust überladen wird, da jeder Schüler verstehen soll, was falsch war und ist. Allerdings habe ich das Gefühl, dass man bei diesem an sich guten Anliegen oft über das Ziel hinausschießt, wenn es beispielsweise kaum eine Abiturprüfung ohne einen Bezug zur Nazizeit abgelegt werden kann.

In Israel konnte ich aber nochmal einen ganz neuen Zugang zu dem Thema finden, da die Zeitzeugenberichte so persönlich waren. Es wurde nicht zum x-ten Mal erzählt, wie Hitler an die Macht kam, sondern die Überlebenden nahmen uns in mit die Zeit hinein und erklärten, wie sich ihre Umgebung verhielt. Es waren Momente, denen man sich nicht entziehen konnte wie im Schulunterricht.

Sicherheit:

Viele Menschen fragen, ob es sicher war in Israel. Vor einem guten Jahr, habe ich mir dieselbe Frage gestellt, doch in Israel selbst war die Situation anders als erwartet. Von Anschlägen und Raketen hab ich gar nichts mitgekriegt, allerdings galt das letzte Jahr auch als das sicherste seit langem. Anfangs waren einige Dinge noch ungewohnt, wenn mir zum Beispiel im Bus ein Soldat mit seiner auf mich gerichteten Waffe gegenüber saß oder auch wenn ich vor vielen  öffentlichen Gebäuden, wie zum Beispiel Kaufhäusern, Metalldetektoren zu passieren hatte.

Juden:

Im Rückblick merke ich, wie wenig ich vor dem Jahr doch über Juden wusste. Dinge wir Kippa, Schläfenlocken oder Perücken waren mir ziemlich neu und auch über die Geschichte des Staates kannte ich wenig Einzelheiten. Während meiner Zeit im Land habe ich aber vieles, wertvolles gelernt. Bei Redewendungen wie „Guten Rutsch“ oder auch dem Begriff  „koscher“ steckt für mich jetzt viel mehr dahinter und ich kenne die Zusammenhänge.

Hebräisch:

Israel ist ein Einwanderungsland, da viele Juden seit der Staatsgründung eingewandert sind. In ihren Ursprungsländern sind sie natürlich immer noch verwurzelt, das heißt sie sprechen auch noch die andere Sprache. Damit sie schnell und gut Hebräisch lernen können, gibt es sogenannte Ulpanim, also Sprachschulen für die Neueinwanderer. An sich ist Hebräisch also für nicht wenige Israelis eine Zweitsprache, die man noch lernt.

Auf Grund dieser Situation werden Menschen, die nur gebrochen sprechen anders behandelt, als in Deutschland. Etwas verallgemeinert könnte man sagen, dass Deutsche bei Ausländern eher darauf achten, welche Dinge sie im Deutschen noch nicht können, wohingegen Israelis sich eher freuen, wenn man überhaupt Hebräisch spricht, weshalb die Fehlertoleranz auch größer ist.

Ich selbst hatte einmal die Woche anderthalb Stunden Unterricht bei einer pensionierten Ulpanlehrerin, die Volontären kostenlos ihre Kenntnisse vermittelt hat.

Araber:

Die meisten Juden leben bekanntlich erst seit wenigen Jahrzehnten wieder im Land, viele Araber wohnen dort aber schon über Generationen hinweg. Dies merkt man auch an ihrer Mentalität, die noch etwas südländischer scheint. Ich würde sie verkürzt gesagt als extremer bezeichnen. Im Guten wie im Schlechten. So sind die Verkäufer auf dem Souq aufdringlicher, verfluchen einen lauter, wenn ein Geschäft nicht zustande kommt, und betteln – vor allem in Ägypten – stärker um Trinkgeld.

Auf der anderen Seite sind sie zu „Freunden“ aber auch viel offener. Wie bereits berichtet wurden wir von den Beduinen in Jordanien so herzlich wie nur möglich aufgenommen, fast schon gemästet und in ihre Lebensweise eingeführt. Die Trennung zwischen Arbeit und Freizeit ist deutlich; wenn sie mit jemandem verhandeln, wollen sie ein gutes Geschäft machen, wenn sie einen Gast haben, spielt Geld keine Rolle.

Fazit:

In der Anfangszeit, habe ich mich manchmal gefragt, ob es die richtige Entscheidung war, ein Jahr in Israel zu verbringen. Verglichen mit manchen Freunden, habe ich eine Sprache gelernt, die keiner spricht, und zu viel gearbeitet. Jetzt, wo das Jahr hinter mir liegt, weiß ich jedoch, dass ich keine bessere Wahl hätte treffen können, da ich nicht in einem „Standardland“ war, einen unglaublich tiefen Einblick in den faszinierenden Nahen Osten bekommen habe, und so viele Geschichten mitgenommen habe, mit denen ich auch anderen Menschen Dinge, seien sie theologisch, kulturell oder politisch greifbar machen kann. Es hat sich gelohnt.

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Cheeseburger

3 08 2010

Gestern Abend war ich mit Marc in der Stadt und wir haben auf andere Leute gewartet. Hungrig frage ich Marc, ob er noch schnell zu Mc Donald’s fahren kann (nur er hatte ein Fahrrad) und mir einen Cheeseburger mitbringt. Und, aus einem spontanen Gedanken heraus meine ich: „Und einen Chickenburger.“ Dabei würde ein Burger für meinen Hunger ausreichen, wahrscheinlich ist es das Gefühl, dass mich schon die ganzen letzen Tage umgibt: „Das würde ich auch gerne mal wieder essen!“

Während er also unterwegs ist, warte ich bei den Schweinen an der Sögestraße und sehe einen Obdachlosen, den ich vom Brötchenverteilen kenne, und bekomme ein schlechtes Gewissen, wie ich neben ihm essen könnte, während er womöglich hungert. Als ich nachdenke, ob ich ihm den zweiten, eigentlich überflüssigen Burger abgeben soll, steht er jedoch auf und geht. Ich bin dadurch eigentlich ganz froh, mir keine weiteren Gedanken machen zu müssen und den Abend genießen zu können.

Ich denke noch, ich könnte ja hinterher gehen, aber bis Marc mit den Burgern kommt, ist der Mann bestimmt schon nicht mehr auffindbar. Es sei denn er kommt zurück. Aber das macht er ja mit Sicherheit nicht. Denke ich.

Wie es allerdings kommen musste, kommt er zwei Minuten später wieder zurück getrottet und meine Gedanken drehen sich wieder im Kreis. Ich überlege, wie ich das Gewissen wegreden könnte; denke nach links, denke nach rechts.

Der alte Herr ist mittlerweile schon an mir vorbei geschlendert und ich habe ihn nur so grade eben noch im Blick, als Marc zurückgeradelt kommt. Schnell greife ich mir die Tüte, laufe hinterher und stelle mir die Frage ob ich ihn mit meinem Angebot beleidigen würde (Das kann durchaus mal vorkommen).

Er hat sich mittlerweile hingesetzt, neben ihm gehen Jugendliche auf dem Weg zur Disko und er ist eher Teil der Deko, des Drumherum, als Teil der Gesellschaft. Ich gehe direkt auf ihn zu und sehe eine leichte Überraschung in seinem Blick, dass ich keinen Bogen mache, wie die meisten.

Ich: „Ein Kumpel hat mir grade zwei Burger mitgebracht. Möchten Sie einen abhaben.“

Er: „Ja, einen würde ich schon ganz gerne nehmen. Was hast du denn da?“

Ich: „Einen Cheeseburger und einen Chickenburger.“

Er: „Käse schmeckt mir eigentlich ganz gut.“

Ich: „Wunderbar, dann nehm ich den mit Hähnchen.“

Wir fangen an zu reden, ich erzähle ihm, dass ich ihm schon ein paar Mal begegnet bin und zu den Leuten gehöre, die ihm einen Schlafsack geschenkt haben, den er auch immer noch besitzt. Wir reden über mein Jahr in Israel, über die Gaza-Flotte und die Sicherheit da unten.

Er erklärt mir, dass er von dem Ort, wo er vor einem Jahr noch meistens gesessen hat, vertrieben wurde und auch dort, wo er jetzt schläft, wird er häufig von der Polizei vertrieben.

Ich denke nicht lange darüber nach, ob er zu faul zum arbeiten ist oder welche Umstände ihn in seine Situation gebracht haben, tüftel keinen Rettungsplan aus, sondern freue mich, dass ich nicht zu ängstlich war, ihn anzusprechen und dass ich ein nettes Gespräch führen konnte.

Manche mögen es Schicksal oder Zufall nennen, doch ich bin überzeugt, dass Gott seine Finger im Spiel hatte, als ich mir auf einmal einen zweiten Burger hab mitbringen lassen und der Mann zurückkam.

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Flughafen

27 07 2010

Die erste Hälfte meines Rückreisemarathons liegt hinter mir. Gestern Nachmittag habe ich die Wohnung verlassen und bin nach Ashdod gefahren (Dem Ort, wohin die Gaza-Flotte umgeleitet werden sollte), wo es eine Geburtstagsfeier von und für Thamar, Klaus und Christian gab. Gefeiert wurde in einer Ruine.

Philip und ich hatten beide schon unsere je zwei Koffer dabei und ich bin immer noch dankbar für die Hilfsbereitschaft der anderen, dass wir sie nicht komplett alleine tragen mussten. Angekommen in Ashdod sind wir erstmal in das unglaublich warme Wasser gegangen; danach haben wir gegrillt. Sehr schön war, dass ich durch die Feier fast alle Volontäre nochmal gesehen habe und mich verabschieden konnte.

Am frühen Morgen sind wir mit einigen Leuten weiter nach Tel Aviv zum Strand gefahren. Dort hieß es dann Abschied von Philip meinem lieben WG-Kollegen zu nehmen, der am Nachmittag geflogen ist. Allerdings sehen wir uns in anderthalb Wochen schon wieder. Am Strand konnte ich dann einigen neuen Volontären nochmal kurz Hallo sagen, die in gut zehn Stunden mit dem Einführungsseminar in ihre Zeit in Israel starten werden.

Den Abend habe ich dann bei den Altenheim-Volos in Petach Tikvah verbracht, wo mich, nach gemeinsamem Essen und Hauskreis, um Mitternacht mein Taxi abgeholt hat. Am Flughafen angekommen wurde ich dann innerhalb von einer halben Stunde durchgecheckt, komplett mit Befragung und Gepäckdurchleuchtung. Anscheinend waren meine Antworten auf die Fragen (u. a. Was hast du hier gemacht? Wie war dein Tagesablauf? Warst du bei Fremden zu Hause? Bist du rumgereist? Wer hat die Reisen geplant?) so harmlos, dass meine Koffer nichteinmal geöffnet wurden. Vermutlich habe ich damit einen neuen Hagoshrim-Rekord aufgestellt, bei Philip zum Beispiel hat dieselbe Prozedur nämlich an die fünf Stunden gedauert, mit mehrfachem Koffer Durchsuchen.

Nachdem ich noch 70 Minuten am Check-in-Schalter warten musste, sitze ich mittlerweile in der Abflughalle und warte noch anderthalb Stunden bis der Flug geht.

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Jordanien – Teil 6, Amman

3 07 2010

Abgeschlossen haben wir unsere Jordanien-Reise in Amman. Diese Stadt zu besuchen hatten ich mir schon vor Israel vorgenommen, da das Buch und der Film „Der Mann der niemals lebte“ hier spielen und ich den Ort gerne kennenlernen wollte.

Angekommen in Amman, suchten wir ersteinmal ziemlich lange nach dem „Hotel“, dass wir aus unserem Lonely Planet, einem Reiseführer, ausgewählt hatten. Dort gab es allerdings kein Vierbettzimmer mehr, jedoch konnten wir zu viert ein Zweibettzimmer beziehen.

Der Rezeptionist in dem Hotel war beeindruckend. Ich glaube er ist der Mensch, mit dem ich mich das ganze Jahr über am Besten über Fußball und besonders Werder unterhalten konnte, weil er sich unglaublich gut auskannte. Gemeinsam der Rolle von „the Viese“ im Spiel gegen Juventus nachtrauern, spekulieren, wen „the Allfos“ als nächstes kauft, und auch hoffen, dass „the beoble“ in Deutschland sich über einen WM-Sieg freuen können. (Hat jeder alle drei Sachen verstanden? ;-))

Nachdem wir die Tage zuvor ganz schön viel rumgelaufen sind, haben wir die beiden Tage in Amman eher entspannter verbracht und liefen ein bisschen durch die Suqs, kauften günstiges Essen und als Highlight waren wir zum Schluss noch in einem türkischen Bad, selbstverständlich geschlechtergetrennt (tagsüber die Frauen, abends die Männer), wo wir uns in der Dampfsauna bei etwa 90-100° fast verbrannt und jegliche tote Haute abschmirgeln lassen haben.

Danach gingen wir wie neugeboren noch einmal schlafen und sind dann am nächsten Tag wieder froh und erschöpft zu Hause angekommen.

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Netzteil-Probleme

23 06 2010

Wer mein Blog verfolgt, dem wird aufgefallen sein, dass in letzter Zeit sehr regelmäßig Aktualisierungen gab, seit einer Woche aber gar nichts mehr passiert ist. Dies liegt daran, dass sich – nachdem mein erstes Netzteil seinen Geist aufgegeben hat – auch das zweite Ex-Netzteil von Johannes aus der Welt der lebenden Technik verabschiedet hat.

Mittlerweile habe ich schon zwei Lötsessions eingeschoben, mit geringem Erfolg. Es fließt zwar Strom, allerdings kommt er nicht im Laptop an. Womöglich haben wir einen Denkfehler gemacht, bisher ist er mir aber noch nicht in den Sinn gekommen.

Deswegen werde ich mir jetzt wahrscheinlich in anderthalb Wochen ein neues Netzteil mitbringen lassen und bis dahin sporadisch Philips MacBook nutzen (müssen). Allerdings ist es bestimmt auch ganz gut, eine Zeit zu haben, in der ich Laptops nicht so intensiv nutzen kann.

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Jordanien – Teil 5, Video

15 06 2010

Philip hat ein kleines Video über unseren Urlaub in Jordanien zusammengeschnitten:

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46. Woche (13.06.-19.06.2010)

14 06 2010

Blogeintrag in Anlehnung an Hendrik Buttkewitz

Montag, 14.06.2010: Wir kamen abends zu einem gemeinsamen Mahl zusammen um vorzüglich zu speisen:

Danach ließen wir den Abend gemeinsam mit einem WM-Spiel ausklingen.

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Kurzer Videorundgang durch das Behindertenheim

12 06 2010

Mein WG-Kollege David-Jan hat als Rundbriefersatz ein kleines Video aufgenommen, in dem etwa zwischen 3:55 und 6:30 mein Wohn- und Arbeitsplatz zu sehen ist:

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Jordanien – Teil 4, Petra

6 06 2010

Nach unserer Wüstenerfahrung sind wir weiter gefahren nach Petra, einer alten Nabatäerstadt, die ihre Blütezeit in den letzten beiden Jahrhunderten vor Christus hatte. Die Nabatäer waren ein Nomadenvolk, das sich sehr gut in der Wüste auskannte. Sie lebten vom Handel, das heißt, sie brachten Gewürze und ähnliches durch die Wüste. Da sie einzigen waren, die diese Kenntnisse hatten, hatten sie eine Monopolstellung und wurden ziemlich reich. Zu ihrer Hauptstadt machten sie Petra, die Stadt, die wir besucht haben.

Um etwas Geld zu sparen und auch auf mal auf anderem Wege neue Leute kennen zu lernen, haben wir vier mal Couchsurfing ausprobiert.  Es war für uns alle eine neue Erfahrung, die sich sehr gelohnt hat. Couchsurfing ist ein Internetportal, dass sich zum Ziel gesetzt hat, ein gewisses Maß an Völkerverständigung zu ermöglichen. Menschen können dort kostenlose Schlafplätze anbieten. Philip hatte vorher einige Leute angeschrieben und eine Zusage haben wir bekommen, von Nawaf, einem Beduinen.

Dieser holte uns selbstlos ab und brachte uns in sein Dorf. Dort gingen wir nach einem Willkommenstee für den restlichen halben Tag nach „Little Petra“, der kleinen Schwester der großen Stadt. Hier konnten wir schon mal einen kleinen Einblick in die Baukunst der Nabatäer bekommen. Allerdings nutzten wir den Tag eher zum Klettern, zum Beispiel hier:

Little Petra - Kletterweg
Little Petra – Kletterweg

Am Abend hatte Nawaf dann keine Zeit und wir konnten alleine in sein Haus. Er hatte aber einigen Freunde von sich aufgetragen für uns zu kochen; es gab typisches Beduinenessen, Reis und Hühnchen. Man isst mit der Hand und formt Bällchen. Sehr, sehr lecker.

Um 5:30 klingelte am Tag darauf dann schon der Wecker, weil wir den Bus nach Petra nicht verpassen und den ganzen Tag nutzen wollten. Nachdem wir angekommen und unsere 35€ Eintritt berappt hatten, machten wir uns auf den Weg durch den Siq, einer Art Canyon, vom Eingang in den Stadtbereich Petras.

Wir folgten also dem kurvigen Weg und standen auf einmal hier:

Petra - Schatzhaus des Pharao
Petra – Schatzhaus des Pharao

Das Gebäude hätte angeblich eigentlich mit Vorder- und Rückseite gebaut werden sollen, aber der Stein war zu groß, also setzte man die Rückseite einfach oben drauf. Der Optik halber. Im ersten Moment ziemlich überwältigend, wenn man sowas vorher noch nicht gesehen hat.

Petra - Beerdigungsstelle
Petra – Beerdigungsstelle

Nach viel Wanderei und beeindrucktem Staunen, was man alles ohne moderne Hilfsmittel und ohne Fehler aus einem Stein heraushauen kann, kamen wir beim maßlos überteuerten Restaurantbereich an. Hier beginnt auch die letzte Etappe, der Weg zum Kloster, das so heißt, weil dort drin Kreuze gefunden wurden, weswegen man vermutet, dass das Gebäude mal von byzantinischen Mönchen verwendet wurde.

Petra - Eselritt zum Kloster
Petra – Eselritt zum Kloster

Da wir den Tag bis dahin sehr sparsam begangen hatten, gönnten wir uns diesen letzten Weg auf Eseln, die wir mühsam runterhandeln mussten. Die meisten anderen Touristen, die sich vorher noch für viel Geld im Restaurant gestärkt hatten, gingen zu Fuß und wir konnten Eseln lässig überholen. Die anderen Leute, die wir unterwegs trafen, waren fast alle so korpulent, dass sie den Weg ohne Esel wahrscheinlich gar nicht bewältigt hätten, was die Situation noch amüsanter machte, da wir wohl so ziemlich die unüblichsten Reiter waren.

Petra - Kloster
Petra – Kloster

Wieder zuhause, frisch geduscht, kam Abdallah vorbei, der am Abend vorher für uns gekocht hatte. Er meinte, dass Nawaf wieder keine Zeit hätte; er, Abdallah, aber heute mit Freunden für Touristen Essen in den Bergen machen werde und wir mitkommen könnten. Also fuhren wir mit, hinten auf der Ladefläche des Jeeps und ließen uns bekochen und bemusiken, einer der Beduinen hatte eine Laute mit, also im Prinzip eine zwölfsaitige Gitarre.

Völlig vollgestopft haben wir die zweite Nacht bei Abdallah übernachtet. Auch wenn Jordanien sich sehr westlich gibt und preislich fast in der gleichen Liga spielt, gibt es auch viele krasse Unterschiede, wie man zum Beispiel an der Toilette sehen kann:

Typisch jordanische Toilette
Typisch jordanische Toilette

Am nächsten Morgen, als wir das Beduinendorf schon fast in Richtung Bus verlassen hatten, kam auf einmal noch jemand aus seiner Haustür. Es war einer der Beduinen, die am Vortag mit in den Bergen war. Er lud uns noch schnell auf einen Tee ein und organisierte uns eine Mitfahregelegenheit.

Natürlich haben wir in Petra Spannendes gesehen, was bei mir aber wirklich hängen geblieben ist, ist die Gastfreundschaft der Menschen. Dies hätten wir ohne Couchsurfing wahrscheinlich nie erleben können. Die Beduinen selbst haben gesagt, dass sie klar zwischen Business und Freundschaft unterscheiden. Wenn sie Geschäfte machen, wollen sie Geld verdienen. Wenn sie Gäste haben, spielt Geld keine Rolle.

Ihre Motive, auch Touristen aus reicheren Ländern kostenlos aufzunehmen sind hauptsächlich, Beziehungen aufzubauen. Außerdem meinten sie, dass sie durch das ganze Geschäftstreiben ihre Gastfreundschaft verlieren würden, die für sie aber elementar wichtig sei.

Als „Freund der Familie“ wird man auch mal zu Bekannten weitergereicht, dort aber genauso besonders behandelt. In Deutschland kann ich es mir ja grundsätzlich schon kaum vorstellen, dass man Fremden gegenüber so aufgeschlossen ist. Spätestens dann wenn man jemanden bedienen soll, der ein Freund von nem Freund von nem Freund ist, würde es bei uns glaube ich mit der Gastfreundschaft aufhören. Ich hoffe, dass ich diese Erlebnisse nicht so schnell vergesse und auch etwas von dem Ideal der Beduinen in Deutschland umsetzen kann.

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