Nahostkonflikt

19 11 2009

Gestern haben die ZEITtagesschau.de und spiegel.de über das Vorhaben der israelischen Regierung berichtet, in Gilo, nahe Jerusalem, neue Wohnungen zu bauen, sowie die Kritik der USA und der UN daran beschrieben.

Gilo wurde im Zuge des 6-Tage-Krieges von 1967 von Israel erobert und wird seitdem von israelischer Seite als Vorort Jerusalems verstanden. Die internationale Staatengemeinschaft kennt diesen Status Gilos aber größtenteils nicht an und spricht von illegalem Siedlungsbau auf arabischem Boden.

Der amerikanische Präsident Barack Obama, sowie der Generalsekretär der Vereinten Nationen (UN) Ban Ki Moon, kritisierten das Bauvorhaben stark und sehen die von ihnen angestrebte Zwei-Staaten-Lösung in Gefahr. Israelische Vertreter dagegen meinten, dass Gilo ein wichtiger Bestandteil Jerusalems sei, den man deswegen gleichwertig wie Tel Aviv oder auch Haifa behandele, wo neue Wohnungen auch nicht auf Kritik stoßen würden.

Besondere Brisanz erhält die Angelegenheit dadurch, dass ich genau in besagtem Gilo arbeite und wohne. Einerseits arbeite ich fast nur mit Arabern zusammen und habe schon mehrfach gehört, dass man hier in Gilo selbstverständlich davon ausgeht, dass diese Ortschaft im Falle einer Teilung Israels zu Palästina gehören wird. Andererseits ist Gilo so eng an Jerusalem angeschlossen (Beispielsweise in Bezug auf das Verkehrsnetz), dass man sich hier nicht so fühlt, als wohne man in einem Vorort oder sogar in einer offiziell als illegal bezeichneten jüdischen Siedlung. Außerdem wäre Gilo im Falle einer kriegerischen Auseinandersetzung zwischen Palästina und Israel von hoher strategischer Bedeutung, da es erhöht liegt, und man von hier aus ganz Jerusalem überblicken kann, wie man beispielsweise an diesem, auf unserer Dachterasse enstandenen, Bild sehen kann:

Jerusalem bei Nacht
Jerusalem bei Nacht

Alles in allem denke ich, dass die Kompliziertheit der Lage ein bisschen deutlich geworden ist. Das Spannungsverhältnis, zwischen offiziellen Einteilungen, à la 67er-Linie und tatsächlicher Lebenswirklichkeit ist nicht so einfach aufzulösen, wie man (auch ich), das aus europäischer Sicht vielleicht so denkt. Falls es hier in der Region wirklich einmal tiefgreifenderen Frieden als zum jetzigen Zeitpunkt geben sollte, müssen meiner Meinung nach noch viele Schritte gegangen werden.

Post to Twitter Post to Facebook



Erfreuliches und Ärgerliches

17 11 2009

Gestern hatten Thomy und Thorschten Geburtstag. In diesen haben wir mitten in Jerusalem in einem verlassenen Araberdorf in einer Ruine rein gefeiert. Wir als WG haben uns alle extra den Tag danach frei genommen, damit wir keinen Stress haben und weil wir noch in eine Tropfsteinhöhle fahren wollten.

Bevor wir uns dann gegen sechs auf den Weg gemacht haben, mussten wir noch die Informationen zu der Höhle ausdrucken und sind dazu in den Computerraum vom Maon (deutsch= Heim) gegangen, wo mich ein Typ angesprochen hat, den ich nicht kannte. Er war aus Amerika und kannte einen „unserer“ Behinderten. Begeistert davon, dass wir als Deutsche für ein Jahr in Israel sind und mit Behinderten arbeiten, hat er uns gefragt, ob er mal mit uns Pizza essen gehen kann, hat aber gesehen, dass wir wegwollen (zum Geburtstag) und uns dann einfach Geld gegeben, damit wir selbst mal was Schönes machen können neben der Arbeit (200 Schekel, das sind etwa 40 Euro). Großartig. Unglaublich.

Nach dieser tollen Begegnung sind wir schnell zum Bus gelaufen, um zur Central Bus Station zu fahren. Da meine Kopfhörer zwei Tage zuvor endgültig ihren Geist aufgegeben haben, hab ich mir dort neue gekauft, die auch nicht ganz billig waren. Ich hab sie allerdings noch nicht sofort ausprobiert, um „den Moment“ mehr genießen zu können. ;-)

Die Ruine, in der dann die Feier war, war auch wirklich überraschend, einmal, weil sie fast direkt an den großen Straßen lag, aber trotzdem alles ruhig war, und auch, weil es sehr gemütlich war, mit Überdachung und Lagerfeuer, also hatten sich die Sorgen um den Tod durch Erfrieren schnell wieder zerschlagen. Dort haben Philip, Johannes und ich uns dann von Hagen, unserem Foto-Experten, nochmal erklären lassen, was ein gutes Foto ausmacht bzw. beeinflusst. Mit den neuen Erkenntnissen, habe ich mich dann mal bemüht ein schönes Foto vom Feuer zu machen, und zwar nicht im Automatikmodus. Herausgekommen ist unter anderem dieses, das jetzt auch mein neuer Desktophintergrund ist:

Am nächsten Mittag haben wir, also meine WG-Kollegen David, Johannes und Philip, sowie Rahel und Hendrik aus einem Altenheim in Petach Tikvah, uns auf den Weg nach Beit Schemesch gemacht, dem Ort, wo die Tropfsteinhöhle ist. Nach einiger Fahrtzeit, hat uns der Busfahrer einen Hinweis gegeben, dass wir aussteigen müssen. So standen wir dann da. Ohne Plan, wohin wir gehen sollten. Ohne Hinweisschilder. Nach einiger Fragerei, hatten wir eine grobe Richtung erfahren, waren uns aber nicht wirklich sicher, ob wir richtig waren. Also haben wir ein Taxi angehalten, dessen Fahrer uns sagte, dass es 20 Autominuten wären. Pro Taxi (wir brauchten 2) sollten wir 50 Schekel (10 Euro) bezahlen. Und da wir die Höhle nun mal sehen wollten, aber keine Zeit mehr hatten, da die Höhle in kurzer Zeit zumachen sollte, haben wir uns entschieden, die Taxis zu nehmen. Was auch eine gute Entscheidung war, da wir ewig gelaufen wären. Bergauf. Froh, das Geld investiert zu haben, sind wir dann an dem Nationalpark angekommen, um dort dann zu erfahren, dass wir zu spät sind. Es war zehn nach drei, und der Einlassschluss ist um drei, wobei der Park noch bis um vier offen hat. Alle Versuche zu erklären, dass wir rechtzeitig bis um vier wieder draußen wären, haben nicht funktioniert. Nicht mal das Volontärsargument (Wenig Zeit und Geld) hat gezogen. Ärgerlich. So haben wir die Taxis wieder zurückbestellt und uns für weitere 100 Schekel zu einer Bushaltestelle fahren lassen. Während wir gewartet haben, ist die Sonne untergangen (um halb fünf), weswegen ich nochmal meine Kamera mehr ausprobiert habe:

Als wir dann alle endlich im Bus saßen, müde, von dem ständig unterwegs sein, war der Moment gekommen, die Kopfhörer zu nutzen. Erst mal musste ich ewig die Gummiaufzüge umfriemeln (da mir die mittleren zu groß sind), konnte dann doch aber endlich wieder Musik hören, und zwar Stereo. ;-) (Vorher hatte ich lange Zeit nur einen funktionierenden Kopfhörer). Mit der Zeit, merkte ich aber, dass der Ton ab und zu aussetzte, wenn ich an den Stecker kam. Mist, dachte ich, Kabelbruch. Verärgert bin ich zurück an der Central Bus in Jerusalem zu dem Laden gegangen, wo ich sie gekauft hatte, aber der Verkäufer meinte, dass sie ok wären und das Problem wahrscheinlich an meinem mp3-Player liege. Und er hatte Recht, meine Kopfhörerbuchse ist ausgeleiert und führt zu den Tonaussetzern. Doof, doof. Allerdings, habe ich herausgefunden, dass ich wohl nur den Stecker in der Buchse drehen muss und bei gewissen Positionen geht’s. Hoffentlich bleibt das so, dass es immerhin manchmal geht.

Völlig verschwitzt und verdreckt von dem Feuer und der Fahrt, haben sich alle auf die Dusche zu Hause gefreut. Doch damit war nichts, wir hatten nur kaltes Wasser. Der Hausmeister meinte, unser Boiler sei kaputt, und der Grund dafür, dass wir häufig Stromausfälle haben (innerhalb von zwei Wochen bestimmt 20 Mal), weshalb wir das Wasser mit der Zentralheizung wärmen sollten. Haben wir gemacht. 30 Minuten gewartet und das Wasser war immer noch kalt. Entnervt haben wir den Boiler wieder angemacht, aber 3 Minuten später war der Strom auch schon weg. Also haben wir im Endeffekt im Maon geduscht, also nebenan. Das war auch alles ziemlich provisorisch, mancher hatte kein Licht, mancher keinen Duschkop, einer konnte den Raum nicht abschließen.

Frisch geduscht sind wir dann zu Burger’s Bar gegangen, um gut zu essen. Das Geld, das der amerikanische Jude uns gegeben hat wurde gleich genutzt und der Tag fand ein versöhnliches Ende.

Post to Twitter Post to Facebook



Freude

3 11 2009

Paket

Post to Twitter Post to Facebook