Fazit

28 09 2010

Mittlerweile bin ich schon eine Weile wieder in Deutschland. Da ist es mal an der Zeit, ein Fazit zu wagen; die Erfahrungen des Jahres zusammenzufassen.

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Anfangszeit:

Ich hatte mir in dem Jahr in Israel relativ wenig vorgenommen und auch kaum Vorstellungen mitgebracht. Ich wollte es auf mich zukommen lassen und schauen was passiert. Mit der Einstellung habe ich dann auch Deutschland verlassen, hab mein halbes Zimmer im Aufräumwahn weggeschmissen und mich voll auf das neue Land eingelassen.

Angekommen war ich erstmal überrascht, vom Land, von Jerusalem, von der Arbeit. Obwohl ich wenig Erwartungen hatte, waren diese doch anders als das, was ich vor Ort antraf. Zum Anfang wusste ich nicht, wie ich mit den Behinderten umgehen sollte, doch nachdem ich die erste Zeit durchgestanden hatte, wurden viele Handgriffe zur Routine. Duschen, Zähne putzen, rasieren, anziehen, füttern und das, was sonst noch so anfiel ging mir leicht von der Hand. Das ungewohnte Feld, die Arbeit mit Behinderten, stellte mich und auch meine WG-Kollegen vor einige Herausforderungen, die wir meist dadurch verarbeiteten, dass wir nach einer Schicht gemeinsam in der Küche saßen und zwei Stunden lang nur erzählten, was alles passiert war, und lachten. Jetzt wo ich wieder zurück bin haben ich einen viel geschulteren Blick auf Behinderte und mir fallen häufig Menschen im Rollstuhl auf.

Nachdem sich die anfänglichen nächtlichen Träume, zurück nach Deutschland zu gehen, wieder verflüchtigt hatten, war ich endgültig angekommen und musste ich mich im Laufe der Zeit dann nicht mehr auf die Arbeit an sich konzentrieren, sondern konnte mich viel besser mit Menschen beschäftigen.

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Holocaust:

Das schwärzeste Kapitel deutscher Geschichte ist immer präsent. Mal mehr, mal weniger auffällig. Gleich während des Einführungsseminars waren wir in Yad Vashem, der Holocaust-Gedenktstätte. Die Atmosphäre dort ist bedrückend, weil die Vergangenheit sehr gut aufbereitet ist, und man als Deutscher natürlich auch viele Reden und Plakate ohne Übersetzung verstehen kann.

Im Laufe des Jahres haben uns auch immer wieder Shoa-Überlebende im Hauskreis besucht und ihre Lebensgeschichte erzählt. In Deutschland finde ich, dass man vor allem in der Schule, häufig mit dem Holocaust überladen wird, da jeder Schüler verstehen soll, was falsch war und ist. Allerdings habe ich das Gefühl, dass man bei diesem an sich guten Anliegen oft über das Ziel hinausschießt, wenn es beispielsweise kaum eine Abiturprüfung ohne einen Bezug zur Nazizeit abgelegt werden kann.

In Israel konnte ich aber nochmal einen ganz neuen Zugang zu dem Thema finden, da die Zeitzeugenberichte so persönlich waren. Es wurde nicht zum x-ten Mal erzählt, wie Hitler an die Macht kam, sondern die Überlebenden nahmen uns in mit die Zeit hinein und erklärten, wie sich ihre Umgebung verhielt. Es waren Momente, denen man sich nicht entziehen konnte wie im Schulunterricht.

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Sicherheit:

Viele Menschen fragen, ob es sicher war in Israel. Vor einem guten Jahr, habe ich mir dieselbe Frage gestellt, doch in Israel selbst war die Situation anders als erwartet. Von Anschlägen und Raketen hab ich gar nichts mitgekriegt, allerdings galt das letzte Jahr auch als das sicherste seit langem. Anfangs waren einige Dinge noch ungewohnt, wenn mir zum Beispiel im Bus ein Soldat mit seiner auf mich gerichteten Waffe gegenüber saß oder auch wenn ich vor vielen  öffentlichen Gebäuden, wie zum Beispiel Kaufhäusern, Metalldetektoren zu passieren hatte.

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Juden:

Im Rückblick merke ich, wie wenig ich vor dem Jahr doch über Juden wusste. Dinge wir Kippa, Schläfenlocken oder Perücken waren mir ziemlich neu und auch über die Geschichte des Staates kannte ich wenig Einzelheiten. Während meiner Zeit im Land habe ich aber vieles, wertvolles gelernt. Bei Redewendungen wie “Guten Rutsch” oder auch dem Begriff  ”koscher” steckt für mich jetzt viel mehr dahinter und ich kenne die Zusammenhänge.

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Hebräisch:

Israel ist ein Einwanderungsland, da viele Juden seit der Staatsgründung eingewandert sind. In ihren Ursprungsländern sind sie natürlich immer noch verwurzelt, das heißt sie sprechen auch noch die andere Sprache. Damit sie schnell und gut Hebräisch lernen können, gibt es sogenannte Ulpanim, also Sprachschulen für die Neueinwanderer. An sich ist Hebräisch also für nicht wenige Israelis eine Zweitsprache, die man noch lernt.

Auf Grund dieser Situation werden Menschen, die nur gebrochen sprechen anders behandelt, als in Deutschland. Etwas verallgemeinert könnte man sagen, dass Deutsche bei Ausländern eher darauf achten, welche Dinge sie im Deutschen noch nicht können, wohingegen Israelis sich eher freuen, wenn man überhaupt Hebräisch spricht, weshalb die Fehlertoleranz auch größer ist.

Ich selbst hatte einmal die Woche anderthalb Stunden Unterricht bei einer pensionierten Ulpanlehrerin, die Volontären kostenlos ihre Kenntnisse vermittelt hat.

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Araber:

Die meisten Juden leben bekanntlich erst seit wenigen Jahrzehnten wieder im Land, viele Araber wohnen dort aber schon über Generationen hinweg. Dies merkt man auch an ihrer Mentalität, die noch etwas südländischer scheint. Ich würde sie verkürzt gesagt als extremer bezeichnen. Im Guten wie im Schlechten. So sind die Verkäufer auf dem Souq aufdringlicher, verfluchen einen lauter, wenn ein Geschäft nicht zustande kommt, und betteln – vor allem in Ägypten – stärker um Trinkgeld.

Auf der anderen Seite sind sie zu “Freunden” aber auch viel offener. Wie bereits berichtet wurden wir von den Beduinen in Jordanien so herzlich wie nur möglich aufgenommen, fast schon gemästet und in ihre Lebensweise eingeführt. Die Trennung zwischen Arbeit und Freizeit ist deutlich; wenn sie mit jemandem verhandeln, wollen sie ein gutes Geschäft machen, wenn sie einen Gast haben, spielt Geld keine Rolle.

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Fazit:

In der Anfangszeit, habe ich mich manchmal gefragt, ob es die richtige Entscheidung war, ein Jahr in Israel zu verbringen. Verglichen mit manchen Freunden, habe ich eine Sprache gelernt, die keiner spricht, und zu viel gearbeitet. Jetzt, wo das Jahr hinter mir liegt, weiß ich jedoch, dass ich keine bessere Wahl hätte treffen können, da ich nicht in einem “Standardland” war, einen unglaublich tiefen Einblick in den faszinierenden Nahen Osten bekommen habe, und so viele Geschichten mitgenommen habe, mit denen ich auch anderen Menschen Dinge, seien sie theologisch, kulturell oder politisch greifbar machen kann. Es hat sich gelohnt.

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Flughafen

27 07 2010

Die erste Hälfte meines Rückreisemarathons liegt hinter mir. Gestern Nachmittag habe ich die Wohnung verlassen und bin nach Ashdod gefahren (Dem Ort, wohin die Gaza-Flotte umgeleitet werden sollte), wo es eine Geburtstagsfeier von und für Thamar, Klaus und Christian gab. Gefeiert wurde in einer Ruine.

Philip und ich hatten beide schon unsere je zwei Koffer dabei und ich bin immer noch dankbar für die Hilfsbereitschaft der anderen, dass wir sie nicht komplett alleine tragen mussten. Angekommen in Ashdod sind wir erstmal in das unglaublich warme Wasser gegangen; danach haben wir gegrillt. Sehr schön war, dass ich durch die Feier fast alle Volontäre nochmal gesehen habe und mich verabschieden konnte.

Am frühen Morgen sind wir mit einigen Leuten weiter nach Tel Aviv zum Strand gefahren. Dort hieß es dann Abschied von Philip meinem lieben WG-Kollegen zu nehmen, der am Nachmittag geflogen ist. Allerdings sehen wir uns in anderthalb Wochen schon wieder. Am Strand konnte ich dann einigen neuen Volontären nochmal kurz Hallo sagen, die in gut zehn Stunden mit dem Einführungsseminar in ihre Zeit in Israel starten werden.

Den Abend habe ich dann bei den Altenheim-Volos in Petach Tikvah verbracht, wo mich, nach gemeinsamem Essen und Hauskreis, um Mitternacht mein Taxi abgeholt hat. Am Flughafen angekommen wurde ich dann innerhalb von einer halben Stunde durchgecheckt, komplett mit Befragung und Gepäckdurchleuchtung. Anscheinend waren meine Antworten auf die Fragen (u. a. Was hast du hier gemacht? Wie war dein Tagesablauf? Warst du bei Fremden zu Hause? Bist du rumgereist? Wer hat die Reisen geplant?) so harmlos, dass meine Koffer nichteinmal geöffnet wurden. Vermutlich habe ich damit einen neuen Hagoshrim-Rekord aufgestellt, bei Philip zum Beispiel hat dieselbe Prozedur nämlich an die fünf Stunden gedauert, mit mehrfachem Koffer Durchsuchen.

Nachdem ich noch 70 Minuten am Check-in-Schalter warten musste, sitze ich mittlerweile in der Abflughalle und warte noch anderthalb Stunden bis der Flug geht.

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Jordanien – Teil 6, Amman

3 07 2010

Abgeschlossen haben wir unsere Jordanien-Reise in Amman. Diese Stadt zu besuchen hatten ich mir schon vor Israel vorgenommen, da das Buch und der Film “Der Mann der niemals lebte” hier spielen und ich den Ort gerne kennenlernen wollte.

Angekommen in Amman, suchten wir ersteinmal ziemlich lange nach dem “Hotel”, dass wir aus unserem Lonely Planet, einem Reiseführer, ausgewählt hatten. Dort gab es allerdings kein Vierbettzimmer mehr, jedoch konnten wir zu viert ein Zweibettzimmer beziehen.

Der Rezeptionist in dem Hotel war beeindruckend. Ich glaube er ist der Mensch, mit dem ich mich das ganze Jahr über am Besten über Fußball und besonders Werder unterhalten konnte, weil er sich unglaublich gut auskannte. Gemeinsam der Rolle von “the Viese” im Spiel gegen Juventus nachtrauern, spekulieren, wen “the Allfos” als nächstes kauft, und auch hoffen, dass “the beoble” in Deutschland sich über einen WM-Sieg freuen können. (Hat jeder alle drei Sachen verstanden? ;-) )

Nachdem wir die Tage zuvor ganz schön viel rumgelaufen sind, haben wir die beiden Tage in Amman eher entspannter verbracht und liefen ein bisschen durch die Suqs, kauften günstiges Essen und als Highlight waren wir zum Schluss noch in einem türkischen Bad, selbstverständlich geschlechtergetrennt (tagsüber die Frauen, abends die Männer), wo wir uns in der Dampfsauna bei etwa 90-100° fast verbrannt und jegliche tote Haute abschmirgeln lassen haben.

Danach gingen wir wie neugeboren noch einmal schlafen und sind dann am nächsten Tag wieder froh und erschöpft zu Hause angekommen.

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Jordanien – Teil 5, Video

15 06 2010

Philip hat ein kleines Video über unseren Urlaub in Jordanien zusammengeschnitten:

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46. Woche (13.06.-19.06.2010)

14 06 2010

Blogeintrag in Anlehnung an Hendrik Buttkewitz

Montag, 14.06.2010: Wir kamen abends zu einem gemeinsamen Mahl zusammen um vorzüglich zu speisen:

Danach ließen wir den Abend gemeinsam mit einem WM-Spiel ausklingen.

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Kurzer Videorundgang durch das Behindertenheim

12 06 2010

Mein WG-Kollege David-Jan hat als Rundbriefersatz ein kleines Video aufgenommen, in dem etwa zwischen 3:55 und 6:30 mein Wohn- und Arbeitsplatz zu sehen ist:

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Jordanien – Teil 4, Petra

6 06 2010

Nach unserer Wüstenerfahrung sind wir weiter gefahren nach Petra, einer alten Nabatäerstadt, die ihre Blütezeit in den letzten beiden Jahrhunderten vor Christus hatte. Die Nabatäer waren ein Nomadenvolk, das sich sehr gut in der Wüste auskannte. Sie lebten vom Handel, das heißt, sie brachten Gewürze und ähnliches durch die Wüste. Da sie einzigen waren, die diese Kenntnisse hatten, hatten sie eine Monopolstellung und wurden ziemlich reich. Zu ihrer Hauptstadt machten sie Petra, die Stadt, die wir besucht haben.

Um etwas Geld zu sparen und auch auf mal auf anderem Wege neue Leute kennen zu lernen, haben wir vier mal Couchsurfing ausprobiert.  Es war für uns alle eine neue Erfahrung, die sich sehr gelohnt hat. Couchsurfing ist ein Internetportal, dass sich zum Ziel gesetzt hat, ein gewisses Maß an Völkerverständigung zu ermöglichen. Menschen können dort kostenlose Schlafplätze anbieten. Philip hatte vorher einige Leute angeschrieben und eine Zusage haben wir bekommen, von Nawaf, einem Beduinen.

Dieser holte uns selbstlos ab und brachte uns in sein Dorf. Dort gingen wir nach einem Willkommenstee für den restlichen halben Tag nach “Little Petra”, der kleinen Schwester der großen Stadt. Hier konnten wir schon mal einen kleinen Einblick in die Baukunst der Nabatäer bekommen. Allerdings nutzten wir den Tag eher zum Klettern, zum Beispiel hier:

Little Petra - Kletterweg
Little Petra – Kletterweg

Am Abend hatte Nawaf dann keine Zeit und wir konnten alleine in sein Haus. Er hatte aber einigen Freunde von sich aufgetragen für uns zu kochen; es gab typisches Beduinenessen, Reis und Hühnchen. Man isst mit der Hand und formt Bällchen. Sehr, sehr lecker.

Um 5:30 klingelte am Tag darauf dann schon der Wecker, weil wir den Bus nach Petra nicht verpassen und den ganzen Tag nutzen wollten. Nachdem wir angekommen und unsere 35€ Eintritt berappt hatten, machten wir uns auf den Weg durch den Siq, einer Art Canyon, vom Eingang in den Stadtbereich Petras.

Wir folgten also dem kurvigen Weg und standen auf einmal hier:

Petra - Schatzhaus des Pharao
Petra – Schatzhaus des Pharao

Das Gebäude hätte angeblich eigentlich mit Vorder- und Rückseite gebaut werden sollen, aber der Stein war zu groß, also setzte man die Rückseite einfach oben drauf. Der Optik halber. Im ersten Moment ziemlich überwältigend, wenn man sowas vorher noch nicht gesehen hat.

Petra - Beerdigungsstelle
Petra – Beerdigungsstelle

Nach viel Wanderei und beeindrucktem Staunen, was man alles ohne moderne Hilfsmittel und ohne Fehler aus einem Stein heraushauen kann, kamen wir beim maßlos überteuerten Restaurantbereich an. Hier beginnt auch die letzte Etappe, der Weg zum Kloster, das so heißt, weil dort drin Kreuze gefunden wurden, weswegen man vermutet, dass das Gebäude mal von byzantinischen Mönchen verwendet wurde.

Petra - Eselritt zum Kloster
Petra – Eselritt zum Kloster

Da wir den Tag bis dahin sehr sparsam begangen hatten, gönnten wir uns diesen letzten Weg auf Eseln, die wir mühsam runterhandeln mussten. Die meisten anderen Touristen, die sich vorher noch für viel Geld im Restaurant gestärkt hatten, gingen zu Fuß und wir konnten Eseln lässig überholen. Die anderen Leute, die wir unterwegs trafen, waren fast alle so korpulent, dass sie den Weg ohne Esel wahrscheinlich gar nicht bewältigt hätten, was die Situation noch amüsanter machte, da wir wohl so ziemlich die unüblichsten Reiter waren.

Petra - Kloster
Petra – Kloster

Wieder zuhause, frisch geduscht, kam Abdallah vorbei, der am Abend vorher für uns gekocht hatte. Er meinte, dass Nawaf wieder keine Zeit hätte; er, Abdallah, aber heute mit Freunden für Touristen Essen in den Bergen machen werde und wir mitkommen könnten. Also fuhren wir mit, hinten auf der Ladefläche des Jeeps und ließen uns bekochen und bemusiken, einer der Beduinen hatte eine Laute mit, also im Prinzip eine zwölfsaitige Gitarre.

Völlig vollgestopft haben wir die zweite Nacht bei Abdallah übernachtet. Auch wenn Jordanien sich sehr westlich gibt und preislich fast in der gleichen Liga spielt, gibt es auch viele krasse Unterschiede, wie man zum Beispiel an der Toilette sehen kann:

Typisch jordanische Toilette
Typisch jordanische Toilette

Am nächsten Morgen, als wir das Beduinendorf schon fast in Richtung Bus verlassen hatten, kam auf einmal noch jemand aus seiner Haustür. Es war einer der Beduinen, die am Vortag mit in den Bergen war. Er lud uns noch schnell auf einen Tee ein und organisierte uns eine Mitfahregelegenheit.

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Natürlich haben wir in Petra Spannendes gesehen, was bei mir aber wirklich hängen geblieben ist, ist die Gastfreundschaft der Menschen. Dies hätten wir ohne Couchsurfing wahrscheinlich nie erleben können. Die Beduinen selbst haben gesagt, dass sie klar zwischen Business und Freundschaft unterscheiden. Wenn sie Geschäfte machen, wollen sie Geld verdienen. Wenn sie Gäste haben, spielt Geld keine Rolle.

Ihre Motive, auch Touristen aus reicheren Ländern kostenlos aufzunehmen sind hauptsächlich, Beziehungen aufzubauen. Außerdem meinten sie, dass sie durch das ganze Geschäftstreiben ihre Gastfreundschaft verlieren würden, die für sie aber elementar wichtig sei.

Als “Freund der Familie” wird man auch mal zu Bekannten weitergereicht, dort aber genauso besonders behandelt. In Deutschland kann ich es mir ja grundsätzlich schon kaum vorstellen, dass man Fremden gegenüber so aufgeschlossen ist. Spätestens dann wenn man jemanden bedienen soll, der ein Freund von nem Freund von nem Freund ist, würde es bei uns glaube ich mit der Gastfreundschaft aufhören. Ich hoffe, dass ich diese Erlebnisse nicht so schnell vergesse und auch etwas von dem Ideal der Beduinen in Deutschland umsetzen kann.

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Jordanien – Teil 3, Wadi Rum

4 06 2010

Als wir die Grenze überquert hatten, gab es gleich Taxifahrer, die uns ihre Dienste anboten. Wir handelten einen Preis aus, um direkt ins Wadi Rum gebracht zu werden, der im Nachhinein deutlich zu hoch war, allerdings nicht mit deutschen Verhältnissen zu vergleichen ist. Das Wadi Rum ist das größte seiner Art in Jordanien. Eigentlich bezeichnet der Begriff Wadi einen ausgetrocknetes Flussbett, hier passt es allerdings eher von einer Wüste zu sprechen.

Wadi Rum - Panorama
Wadi Rum – Panorama

Angekommen in dem kleinen Örtchen, wo die Beduinen, die das Wadi verwalten, leben, wurden wir auch gleich zu einem jener Beduinen gefahren, bei dem wir nach etwas langwierigen Verhandlungen aushandelten, zwei Nächte in seinem Camp in der Wüste übernachten zu können und eine ausgedehnte Jeeptour zu machen.

Wadi Rum - Kurz vor dem Sonnenuntergang
Wadi Rum – Kurz vor dem Sonnenuntergang

Also brachte uns ein Jugendlicher, wahrscheinlich jünger als wir, zu der Unterkunft, wo wir uns auf einem Felsen den Sonnenuntergang anschauten, und, nachdem wir mit unserem Gaskocher Reis zubereitet hatten, erschöpft ins Bett fielen.

Wadi Rum - Ausblick
Wadi Rum – Ausblick

Am nächsten Morgen ging es zeitig los und der Fahrer holte uns wieder ab. Er brachte uns zu verschiedenen Orten in der Wüste, die teilweise sehr interessant waren, manchmal hatte ich aber das Gefühl, dass man mühsam nach etwas gesucht hat, was man den Touristen verkaufen kann.

Wadi Rum - Felsbrücke
Wadi Rum – Felsbrücke

Unterwegs machten wir auch zweimal eine etwas längere Pause, um den typischen, sehr süßen, aber auch sehr leckeren Beduinentee zu trinken. In Deutschland konnte ich es mir immer kaum vorstellen, dass man im Nahen Osten so viel Tee trinkt um sich bei den hitzigen Temperaturen abzukühlen, da hat sich meine Meinung aber mittlerweile geändert.

Wadi Rum - Haus von Lawrence
Wadi Rum – Haus von Lawrence

Nach einer zweiten erholsamen Nacht, wollte uns der Fahrer um 7:30 abholen und zum Bus nach Petra bringen, der nur einmal täglich fährt. Dieser Bus sollte das Wadi Rum gegen 8:00 verlassen. Um viertel vor acht war niemand in Sicht, um acht auch nicht. Fünfzehn Minuten nach acht kam dann jemand anders mit seinem Jeep, erklärte uns, dass unserem Fahrer das Benzin ausgegangen sei und er ihn zufällig getroffen habe. Deswegen brachte er uns zur Bushaltestelle, und tatsächlich, wir haben ihn noch gekriegt. So ging die schöne Zeit im Wadi Rum ohne viel Ärger zu Ende und wir freuten uns auf den nächsten Ort: Petra, eine alte Nabatäerstadt, aus der Zeit 200 vor Christus.

Wadi Rum - Thamar, Rahel, Philip, Ich
Wadi Rum – Thamar, Rahel, Philip, Ich
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Zu den Vorfällen bei Gaza

2 06 2010

In den letzten Tagen wurde hier in Israel viel diskutiert über die Vorfälle der Free Gaza-Aktion. Ich selbst habe zwar mitgekriegt, dass in Fernsehen und Radio über das Thema gesprochen wurde,was genau gesagt wurde, war aber schwierig zu verstehen. Am Tag des Vorfalls haben die drei großen israelischen Fernsehsender fast rund um die Uhr berichtet und auch im Radio schien weniger Musik gespielt zu werden.

Ich selbst habe mich dann hauptsächlich bei den Bewohner des Behindertenheims umgehört, was ihre Meinung ist. Unter anderem wurde folgendes gesagt:

D. behauptete, man hätte die Schiffe einfach durchfahren lassen sollen. Er hätte so gehandelt. Angesprochen auf die israelischen Medien meinte er allerdings, “die sind noch linker als ich, [...] und lieben die Palästinenser”.

M. und Y. vertraten die Meinung, dass die Aktivisten selbst schuld seien, an dem, was passiert sei, da Israel ausgiebig gewarnt hätte. Allerdings vermutete M. dass es schlauer gewesen wäre, die Schiffe erst in israelischen Gewässern zu kapern, weil das noch zu einem großen Problem werden könnte, dass Israel in internationalen Gewässern agiert hat.

Alle drei erzählten übrigens, egal ob sie jetzt eher politisch links oder rechts einzuordnen sind, dass sie den Premierministier “Bibi”, Benjamin Netanjahu, nicht mögen.

Der für die Volontäre zuständige Sozialarbeiter meinte heute morgen bei unserem wöchentlichen Treffen, dass die Aktion ein sehr schlechtes Licht auf Israel werfe und man schlauer hätte vorgehen sollen, indem man die Aktivisten betäubt oder mit mehr Soldaten angegriffen hätte.

Vor etwas längerer Zeit hat sich ein arabischer Arbeiter von uns insofern geäußert, dass er die Hamas der Fatah deswegen vorziehen würde, weil die Hamas in seinen Augen wenigstens nicht korrupt sei. Er selbst ist Mitte fünfzig und arabischer Israeli.

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Ich persönlich kann es nicht nachvollziehen, warum die Proteste gegen Israel so stark sind, da man mehrfach angekündigt hatte, die Blockade des Gazastreifens aufrechtzuerhalten, der übrigens von Israel und Ägypten abgegrenzt wurde. Im Januar war ich in Sderot, einem israelischen Ort nahe Gaza und habe mich dort mit einem Soldaten unterhalten. Seiner Aussage zu Folge, sind vor einigen Jahren noch etwa 20 Raketen täglich in das Kibbuz geflogen, in dem er wohnt, seit dem Rückzug aus dem Gebiet und dem Gazakrieg vor knapp anderhalb Jahren, habe sich die Zahl auf 2 Raketen wöchentlich verringert.

Nachdem nun also feststand, das an dieser Position nichts geändert werden würde, hat man angeboten, die Ladungen in Ashdod, einem wenige Kilometer entfernten Hafen, zu löschen und auf dem Landweg nach Gaza zu bringen. Man hatte sich auch schon auf diesen Fall eingestellt und ein Auffanglager vorbereitet. Der Vorschlag wurde von den Aktivisten allerdings mit der Begründung abgelehnt, die Schiffe seien ausreichend auf Waffen kontrolliert worden.

Dies finde ich allerdings schwer nachvollziehbar, wenn man sich die folgenden Videos anschaut:

Von oben:

Von der Seite:

Von einem Aktivisten:

Im Rückblick scheint die ganze Aktion nur darauf ausgelegt gewesen zu sein, einen israelischen Fehler zu provozieren, damit, dass jetzt neun Menschen gestorben sind, hat man aber sicherlich nicht gerechnet. Israel selbst kann man meiner Meinung nach den Vorwurf machen, dass die Intervention schlecht geplant gewesen ist, und man intelligenter hätte vorgehen können. Dass man mutwillig Menschen umbringen wollte, kann ich allerdings nicht nachvollziehen. Da würde ich persönlich viel eher den Begriff Friedensaktivist hinterfragen.

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Jordanien – Teil 2, Grenze

1 06 2010

Nach dem ganzen Stress im Vorhinein (der Brief ist übrigens immer noch nicht angekommen; mittlerweile fange ich an, an schwarze Löcher zu glauben), saßen wir also im Bus nach Eilat, dem südlichsten Ort Israels, wo wir die Grenze überqueren wollten. Als wir ankamen, nahm ich mir noch schnell ein Infoblatt über die Grenze, überflog es, und stutzte: “Es ist strikt verboten, Trinkwasser und Lebensmittel einzuführen.” Dabei hatten wir doch jede frei Stelle im Gepäck mit Essen gestopft und jeder hatte zwei Flaschen Wasser dabei. Hmm.. Was nun?

Etwas verunsichert, was nun passieren würde, gingen wir den Kontrollen entgegen, wo wir unsere Rucksäcke auf den Tisch legen mussten, damit die Soldaten sie einen nach dem anderen durchsuchen konnten. Beim ersten wurde schon komisch gekuckt, ob des Essens, beim zweiten fing der Soldat an zu grinsen, beim dritten fragten die beiden, ob denn morgen die Welt untergehen würde und beim vierten konnten sie sich kaum noch halten, dass wir so viel Essen dabei hatten. Auch meine Bibel wurde zweimal sehr gründlich untersucht. Im Endeffekt war es aber kein Problem und wir mussten nichts abgeben.

Auf der anderen Seite angekommen, nahmen wir uns noch fix ein Taxi zu unserem Aufenthaltsort, dem Wadi Rum, einem großen Wüstenbereich.

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