Fazit

28 09 2010

Mittlerweile bin ich schon eine Weile wieder in Deutschland. Da ist es mal an der Zeit, ein Fazit zu wagen; die Erfahrungen des Jahres zusammenzufassen.

-

Anfangszeit:

Ich hatte mir in dem Jahr in Israel relativ wenig vorgenommen und auch kaum Vorstellungen mitgebracht. Ich wollte es auf mich zukommen lassen und schauen was passiert. Mit der Einstellung habe ich dann auch Deutschland verlassen, hab mein halbes Zimmer im Aufräumwahn weggeschmissen und mich voll auf das neue Land eingelassen.

Angekommen war ich erstmal überrascht, vom Land, von Jerusalem, von der Arbeit. Obwohl ich wenig Erwartungen hatte, waren diese doch anders als das, was ich vor Ort antraf. Zum Anfang wusste ich nicht, wie ich mit den Behinderten umgehen sollte, doch nachdem ich die erste Zeit durchgestanden hatte, wurden viele Handgriffe zur Routine. Duschen, Zähne putzen, rasieren, anziehen, füttern und das, was sonst noch so anfiel ging mir leicht von der Hand. Das ungewohnte Feld, die Arbeit mit Behinderten, stellte mich und auch meine WG-Kollegen vor einige Herausforderungen, die wir meist dadurch verarbeiteten, dass wir nach einer Schicht gemeinsam in der Küche saßen und zwei Stunden lang nur erzählten, was alles passiert war, und lachten. Jetzt wo ich wieder zurück bin haben ich einen viel geschulteren Blick auf Behinderte und mir fallen häufig Menschen im Rollstuhl auf.

Nachdem sich die anfänglichen nächtlichen Träume, zurück nach Deutschland zu gehen, wieder verflüchtigt hatten, war ich endgültig angekommen und musste ich mich im Laufe der Zeit dann nicht mehr auf die Arbeit an sich konzentrieren, sondern konnte mich viel besser mit Menschen beschäftigen.

-

Holocaust:

Das schwärzeste Kapitel deutscher Geschichte ist immer präsent. Mal mehr, mal weniger auffällig. Gleich während des Einführungsseminars waren wir in Yad Vashem, der Holocaust-Gedenktstätte. Die Atmosphäre dort ist bedrückend, weil die Vergangenheit sehr gut aufbereitet ist, und man als Deutscher natürlich auch viele Reden und Plakate ohne Übersetzung verstehen kann.

Im Laufe des Jahres haben uns auch immer wieder Shoa-Überlebende im Hauskreis besucht und ihre Lebensgeschichte erzählt. In Deutschland finde ich, dass man vor allem in der Schule, häufig mit dem Holocaust überladen wird, da jeder Schüler verstehen soll, was falsch war und ist. Allerdings habe ich das Gefühl, dass man bei diesem an sich guten Anliegen oft über das Ziel hinausschießt, wenn es beispielsweise kaum eine Abiturprüfung ohne einen Bezug zur Nazizeit abgelegt werden kann.

In Israel konnte ich aber nochmal einen ganz neuen Zugang zu dem Thema finden, da die Zeitzeugenberichte so persönlich waren. Es wurde nicht zum x-ten Mal erzählt, wie Hitler an die Macht kam, sondern die Überlebenden nahmen uns in mit die Zeit hinein und erklärten, wie sich ihre Umgebung verhielt. Es waren Momente, denen man sich nicht entziehen konnte wie im Schulunterricht.

-

Sicherheit:

Viele Menschen fragen, ob es sicher war in Israel. Vor einem guten Jahr, habe ich mir dieselbe Frage gestellt, doch in Israel selbst war die Situation anders als erwartet. Von Anschlägen und Raketen hab ich gar nichts mitgekriegt, allerdings galt das letzte Jahr auch als das sicherste seit langem. Anfangs waren einige Dinge noch ungewohnt, wenn mir zum Beispiel im Bus ein Soldat mit seiner auf mich gerichteten Waffe gegenüber saß oder auch wenn ich vor vielen  öffentlichen Gebäuden, wie zum Beispiel Kaufhäusern, Metalldetektoren zu passieren hatte.

-

Juden:

Im Rückblick merke ich, wie wenig ich vor dem Jahr doch über Juden wusste. Dinge wir Kippa, Schläfenlocken oder Perücken waren mir ziemlich neu und auch über die Geschichte des Staates kannte ich wenig Einzelheiten. Während meiner Zeit im Land habe ich aber vieles, wertvolles gelernt. Bei Redewendungen wie “Guten Rutsch” oder auch dem Begriff  ”koscher” steckt für mich jetzt viel mehr dahinter und ich kenne die Zusammenhänge.

-

Hebräisch:

Israel ist ein Einwanderungsland, da viele Juden seit der Staatsgründung eingewandert sind. In ihren Ursprungsländern sind sie natürlich immer noch verwurzelt, das heißt sie sprechen auch noch die andere Sprache. Damit sie schnell und gut Hebräisch lernen können, gibt es sogenannte Ulpanim, also Sprachschulen für die Neueinwanderer. An sich ist Hebräisch also für nicht wenige Israelis eine Zweitsprache, die man noch lernt.

Auf Grund dieser Situation werden Menschen, die nur gebrochen sprechen anders behandelt, als in Deutschland. Etwas verallgemeinert könnte man sagen, dass Deutsche bei Ausländern eher darauf achten, welche Dinge sie im Deutschen noch nicht können, wohingegen Israelis sich eher freuen, wenn man überhaupt Hebräisch spricht, weshalb die Fehlertoleranz auch größer ist.

Ich selbst hatte einmal die Woche anderthalb Stunden Unterricht bei einer pensionierten Ulpanlehrerin, die Volontären kostenlos ihre Kenntnisse vermittelt hat.

-

Araber:

Die meisten Juden leben bekanntlich erst seit wenigen Jahrzehnten wieder im Land, viele Araber wohnen dort aber schon über Generationen hinweg. Dies merkt man auch an ihrer Mentalität, die noch etwas südländischer scheint. Ich würde sie verkürzt gesagt als extremer bezeichnen. Im Guten wie im Schlechten. So sind die Verkäufer auf dem Souq aufdringlicher, verfluchen einen lauter, wenn ein Geschäft nicht zustande kommt, und betteln – vor allem in Ägypten – stärker um Trinkgeld.

Auf der anderen Seite sind sie zu “Freunden” aber auch viel offener. Wie bereits berichtet wurden wir von den Beduinen in Jordanien so herzlich wie nur möglich aufgenommen, fast schon gemästet und in ihre Lebensweise eingeführt. Die Trennung zwischen Arbeit und Freizeit ist deutlich; wenn sie mit jemandem verhandeln, wollen sie ein gutes Geschäft machen, wenn sie einen Gast haben, spielt Geld keine Rolle.

-

Fazit:

In der Anfangszeit, habe ich mich manchmal gefragt, ob es die richtige Entscheidung war, ein Jahr in Israel zu verbringen. Verglichen mit manchen Freunden, habe ich eine Sprache gelernt, die keiner spricht, und zu viel gearbeitet. Jetzt, wo das Jahr hinter mir liegt, weiß ich jedoch, dass ich keine bessere Wahl hätte treffen können, da ich nicht in einem “Standardland” war, einen unglaublich tiefen Einblick in den faszinierenden Nahen Osten bekommen habe, und so viele Geschichten mitgenommen habe, mit denen ich auch anderen Menschen Dinge, seien sie theologisch, kulturell oder politisch greifbar machen kann. Es hat sich gelohnt.

4 Lesern gefällt dieser Artikel.

Post to Twitter Post to Facebook



Jordanien – Teil 1, Vorbereitungsstress

30 05 2010

Sonntag vor einer Woche haben wir uns auf den Weg nach Jordanien gemacht. Wir, das sind mein Mitbewohner Philip, Thamar und Rahel, die in einem Altenheim bei Tel Aviv arbeiten, und ich. Wir hatten uns zwar schon einige Gedanken gemacht, was wir in etwa sehen möchten, richtig konkret war aber nichts geplant also sind wir einfach losgefahren. Vorher gab es aber noch einiges zu organisieren.

Gepackt wurde Nachts, nachdem wir in der Stadt Bayern im Champions League-Finale haben verlieren sehen. Schlafen konnte ich um die drei Stunden, wie schon in der Nacht zuvor.

Andere Volontäre, die schon in Jordanien waren, hatten uns empfohlen, dort ein Auto zu mieten, da dies besonders günstig sein soll, weshalb ich mir meinen Führerschein aus Deutschland hab schicken lassen. Über eine Woche vor der Reise. Eigentlich kein Problem. Als der Brief aber nach und nach nicht ankam, bin ich am Sonntag, direkt vor der Abfahrt kurzerhand selbst zur Post gegangen, um nachzufragen, was ich schon ab und zu gemacht habe, wenn mir die Post zu lange gebraucht hat:

Ich erkläre der Frau auf hebräisch, dass ich einen Brief erwarte, sage ihr meinen Namen und meine Adresse, mit der Bitte, ob sie nachschauen könne. Sie fragt aber nach der Sendungsnummer, die ich noch nie gebraucht und natürlich nicht bei mir habe. Ohne könne sie mir nicht helfen. Ich versuche es noch weiter, und erkläre, wie wichtig der Brief sei, da ich meinen Führerschein erwarte. Allerdings bleibt sie hartnäckig.

Zeit nach Hause zu laufen, um in meinem Email-Postfach nachzuschauen habe ich nicht. Da bleibt dann nur die Variante, in Deutschland anzurufen. Leichter gesagt als getan, da mein Handy-Guthaben komplett aufgebraucht ist. Ich habe umgerechnet noch einen fünftel-Cent. Der Automat, wo man Aufladekarten kaufen kann, ist zur Freude des Tages auch noch kaputt, was ich der Frau klage. Zum Glück kann sie mein Guthaben auch über ihren Computer auffrischen. Das habe ich nicht gewusst.

Jetzt, wo ich wieder eine Hürde aus dem Weg geräumt habe, rufe ich in Deutschland an. Sonntags. 7:30 morgens. Natürlich geht niemand ran. Also versuche ich es bei meiner Schwester auf dem Handy, die sich nach einigem Klingeln verschlafen meldet und an Papa weiterreicht und mir weiterhelfen kann.

Mit der Sendungsnummer gehe ich wieder zu der Frau am Schalter, die mittlerweile schon ein bisschen genervt ist, von meinen vielen komplizierten Versuchen. Nachdem ich ihr die Nummer diktiert habe, schaut sie im Computer nach, um mir dann zu erklären, dass der Brief noch in Tel Aviv sei. Seit einer Woche. Alles umsonst. Der ganze Stress.

Jetzt heißt es, sich nicht zu sehr zu ärgern, schnell zur Central Bus Station zu kommen, um den Bus nicht zu verpassen, und sich auf den Urlaub zu freuen, obwohl wir kein Auto mehr mieten werden können.

Einem Leser gefällt dieser Artikel.

Post to Twitter Post to Facebook



März-Fotos

2 04 2010

Nachdem ich im letzten Eintrag die letzte Zeit schon mal kurz zusammengefasst habe, gibt es jetzt auch ein paar Bilder zu dem, was los war.

Wenn man auf ein Bild klickt, vergrößert es sich automatisch und die Bildunterschrift wird angezeigt.

-

Typisches Abendessen in Ägypten
Typisches Abendessen in Ägypten
Kamelreiten in der Wüste im Sinai
Kamelreiten in der Wüste im Sinai
Abseits der Touri-Orte auf dem Weg nach Hause zu Mohammad, einem Beduinen
Abseits der Touri-Orte auf dem Weg nach Hause zu Mohammad, einem Beduinen
Paintball-Spielen vor dem Haifa-Seminar, in den Haaren kleben zwei Kopfschüsse
Paintball-Spielen vor dem Haifa-Seminar, in den Haaren kleben zwei Kopfschüsse
In den Baha'i-Gärten von Haifa
In den Baha’i-Gärten von Haifa
Foto aus einem abgelegen Haus in Haifa, ideal für Bandfotos
Foto aus einem abgelegen Haus in Haifa, ideal für Bandfotos
Noch ein Bandfoto mit Anna und Joachim, beide Volontäre bei meiner Organisation
Noch ein Bandfoto mit Anna und Joachim, beide Volontäre bei meiner Organisation
Meine WG: Johannes, David, Philip und ich
Meine WG: Johannes, David, Philip und ich

Post to Twitter Post to Facebook



Zu viele Gedanken – Kurze Zusammenfassung

31 03 2010

In letzter Zeit gab es auf diesem meinem Blog eher wenige Beiträge. Das liegt wahrscheinlich daran, dass mein Leben derzeit so rastlos ist. Sobald ich von einem Ausflug zurückkomme, bin ich erledigt, und möchte meine Gedanken sammeln, ehe ich mich versehen habe, bin ich aber schon wieder woanders, und dieses Dilemma fängt wieder und wieder von vorne an.

Trotzdem hier mal eine kleine Zusammenfassung:

  • Anfang März bin ich mit 5 Mitvolontären nach Ägypten nach Dahab auf der Sinai-Halbinsel gefahren. Dort haben wir die Zeit genutzt, um Quad zu fahren, auf Pferden und Kamelen zu reiten, uns mit Schnorchel, Maske und Flossen die Korallen anzuschauen, günstig und unkoscher zu essen, …
  • Eine gute Woche später hatte ich dann schon ein Wochenendseminar in Haifa. Nachdem ich vorher zusammen mit vielen Anderen noch zum ersten Mal Paintball gespielt habe, befassten wir uns vor allem mit verschiedenen Strömungen des Judentums.
  • Direkt vom Seminar holte meine Familie (Opa, Mama, Papa & Schwester) mich schon ab. Innerhalb einer Woche konnte ich ihnen vieles vom Land zeigen und einen guten Einblick geben, wo und wie ich hier lebe. Unter anderem waren wir in Haifa, Akko, am See Genezareth, in Jerusalem, am Toten Meer, in Beer Sheva und Latrun.
  • Nach einem kurzen Tag der Erholung ging es vorgestern nach Tiberias am See Genezareth, auf einen Trip mit unseren Behinderten. Dieser kurze Urlaub war für die Behinderten, die währen des Passah-Festes nicht nach Hause zu ihren Familien fahren konnten organisiert.

Vorhin sind wir davon zurückgekommen. Und ich tippe noch schnell diesen Eintrag, damit ich nicht schon wieder unterwegs bin, wenn ich denke meine Gedanken ausreichen geordnet zu haben. Am Sonntag fahren ich nämlich schon wieder für drei Tage mit einem Behinderten zu seiner Familie.

Post to Twitter Post to Facebook



Erfreuliches und Ärgerliches

17 11 2009

Gestern hatten Thomy und Thorschten Geburtstag. In diesen haben wir mitten in Jerusalem in einem verlassenen Araberdorf in einer Ruine rein gefeiert. Wir als WG haben uns alle extra den Tag danach frei genommen, damit wir keinen Stress haben und weil wir noch in eine Tropfsteinhöhle fahren wollten.

Bevor wir uns dann gegen sechs auf den Weg gemacht haben, mussten wir noch die Informationen zu der Höhle ausdrucken und sind dazu in den Computerraum vom Maon (deutsch= Heim) gegangen, wo mich ein Typ angesprochen hat, den ich nicht kannte. Er war aus Amerika und kannte einen „unserer“ Behinderten. Begeistert davon, dass wir als Deutsche für ein Jahr in Israel sind und mit Behinderten arbeiten, hat er uns gefragt, ob er mal mit uns Pizza essen gehen kann, hat aber gesehen, dass wir wegwollen (zum Geburtstag) und uns dann einfach Geld gegeben, damit wir selbst mal was Schönes machen können neben der Arbeit (200 Schekel, das sind etwa 40 Euro). Großartig. Unglaublich.

Nach dieser tollen Begegnung sind wir schnell zum Bus gelaufen, um zur Central Bus Station zu fahren. Da meine Kopfhörer zwei Tage zuvor endgültig ihren Geist aufgegeben haben, hab ich mir dort neue gekauft, die auch nicht ganz billig waren. Ich hab sie allerdings noch nicht sofort ausprobiert, um „den Moment“ mehr genießen zu können. ;-)

Die Ruine, in der dann die Feier war, war auch wirklich überraschend, einmal, weil sie fast direkt an den großen Straßen lag, aber trotzdem alles ruhig war, und auch, weil es sehr gemütlich war, mit Überdachung und Lagerfeuer, also hatten sich die Sorgen um den Tod durch Erfrieren schnell wieder zerschlagen. Dort haben Philip, Johannes und ich uns dann von Hagen, unserem Foto-Experten, nochmal erklären lassen, was ein gutes Foto ausmacht bzw. beeinflusst. Mit den neuen Erkenntnissen, habe ich mich dann mal bemüht ein schönes Foto vom Feuer zu machen, und zwar nicht im Automatikmodus. Herausgekommen ist unter anderem dieses, das jetzt auch mein neuer Desktophintergrund ist:

Am nächsten Mittag haben wir, also meine WG-Kollegen David, Johannes und Philip, sowie Rahel und Hendrik aus einem Altenheim in Petach Tikvah, uns auf den Weg nach Beit Schemesch gemacht, dem Ort, wo die Tropfsteinhöhle ist. Nach einiger Fahrtzeit, hat uns der Busfahrer einen Hinweis gegeben, dass wir aussteigen müssen. So standen wir dann da. Ohne Plan, wohin wir gehen sollten. Ohne Hinweisschilder. Nach einiger Fragerei, hatten wir eine grobe Richtung erfahren, waren uns aber nicht wirklich sicher, ob wir richtig waren. Also haben wir ein Taxi angehalten, dessen Fahrer uns sagte, dass es 20 Autominuten wären. Pro Taxi (wir brauchten 2) sollten wir 50 Schekel (10 Euro) bezahlen. Und da wir die Höhle nun mal sehen wollten, aber keine Zeit mehr hatten, da die Höhle in kurzer Zeit zumachen sollte, haben wir uns entschieden, die Taxis zu nehmen. Was auch eine gute Entscheidung war, da wir ewig gelaufen wären. Bergauf. Froh, das Geld investiert zu haben, sind wir dann an dem Nationalpark angekommen, um dort dann zu erfahren, dass wir zu spät sind. Es war zehn nach drei, und der Einlassschluss ist um drei, wobei der Park noch bis um vier offen hat. Alle Versuche zu erklären, dass wir rechtzeitig bis um vier wieder draußen wären, haben nicht funktioniert. Nicht mal das Volontärsargument (Wenig Zeit und Geld) hat gezogen. Ärgerlich. So haben wir die Taxis wieder zurückbestellt und uns für weitere 100 Schekel zu einer Bushaltestelle fahren lassen. Während wir gewartet haben, ist die Sonne untergangen (um halb fünf), weswegen ich nochmal meine Kamera mehr ausprobiert habe:

Als wir dann alle endlich im Bus saßen, müde, von dem ständig unterwegs sein, war der Moment gekommen, die Kopfhörer zu nutzen. Erst mal musste ich ewig die Gummiaufzüge umfriemeln (da mir die mittleren zu groß sind), konnte dann doch aber endlich wieder Musik hören, und zwar Stereo. ;-) (Vorher hatte ich lange Zeit nur einen funktionierenden Kopfhörer). Mit der Zeit, merkte ich aber, dass der Ton ab und zu aussetzte, wenn ich an den Stecker kam. Mist, dachte ich, Kabelbruch. Verärgert bin ich zurück an der Central Bus in Jerusalem zu dem Laden gegangen, wo ich sie gekauft hatte, aber der Verkäufer meinte, dass sie ok wären und das Problem wahrscheinlich an meinem mp3-Player liege. Und er hatte Recht, meine Kopfhörerbuchse ist ausgeleiert und führt zu den Tonaussetzern. Doof, doof. Allerdings, habe ich herausgefunden, dass ich wohl nur den Stecker in der Buchse drehen muss und bei gewissen Positionen geht’s. Hoffentlich bleibt das so, dass es immerhin manchmal geht.

Völlig verschwitzt und verdreckt von dem Feuer und der Fahrt, haben sich alle auf die Dusche zu Hause gefreut. Doch damit war nichts, wir hatten nur kaltes Wasser. Der Hausmeister meinte, unser Boiler sei kaputt, und der Grund dafür, dass wir häufig Stromausfälle haben (innerhalb von zwei Wochen bestimmt 20 Mal), weshalb wir das Wasser mit der Zentralheizung wärmen sollten. Haben wir gemacht. 30 Minuten gewartet und das Wasser war immer noch kalt. Entnervt haben wir den Boiler wieder angemacht, aber 3 Minuten später war der Strom auch schon weg. Also haben wir im Endeffekt im Maon geduscht, also nebenan. Das war auch alles ziemlich provisorisch, mancher hatte kein Licht, mancher keinen Duschkop, einer konnte den Raum nicht abschließen.

Frisch geduscht sind wir dann zu Burger’s Bar gegangen, um gut zu essen. Das Geld, das der amerikanische Jude uns gegeben hat wurde gleich genutzt und der Tag fand ein versöhnliches Ende.

Post to Twitter Post to Facebook



Transpiration, Todescrocs und Totes Meer

21 08 2009

Am Montag waren wir, das heißt Johannes, Philip (beide aus meiner WG), Rahel (Hagoshrim-Volontärin aus Petach Tikvah) und Stefan (ein Akim-Volontär, den wir tags zuvor kennen gelernt haben) in Ein Gedi, einem Ort am Toten Meer.

Wir sind von Jerusalem aus mit dem Bus gefahren. Kurze Zeit, nachdem wir Jerusalem verlassen haben, waren wir in der Wüste, krass. Während der Fahrt, die etwa zwei Stunden dauerte, haben wir in so einer Art Oase in der Nähe von Jericho eine Pause gemacht, wo folgende Bilder entstanden sind:

Zwischenstopp
Zwischenstopp
Unterschied zwischen Wüste und Oase
Unterschied zwischen Wüste und Oase

Als wir dann in Ein Gedi angekommen sind, haben wir uns in der Bullen-Mittagshitze aufgemacht, durch das Wadi Arugot zu wandern. In der Wüste entspringen nämlich zwei Quellen, die dann als Flüsse ins Tal fließen, an denen man langwandert, Wadi Arugot und Wadi David. Zurück zur “Bullen-Mittagshitze”: was auch immer ich bisher erlebt habe in Sachen Schwitzen, das hat alles übertroffen. Um nicht auszutrocknen, wird von offizieller Stelle empfohlen, etwa einen Liter pro Stunde zu trinken und das ist nicht schlecht geschätzt.

Trotz dieser Widrigkeiten hat sich die Wanderung auf jeden Fall gelohnt, da es ganz oben die “Upper Pools” gibt, in denen man sich herrlich abkühlen kann:

Upper Pools
Upper Pools

Als uns tatsächlich sogar ein bischen kalt wurde, sind wir wieder runter gelaufen:

Rückweg 1
Rückweg 1
Rückweg 2
Rückweg 2

Vielleicht auf 20% der Wegstrecke nach unten gibt es auch noch einen “Hidden Waterfall”, den wir auch nochmal zur Abkühlung genutzt haben:

Hidden Waterfall
Hidden Waterfall

Das T-Shirt habe ich da gleich angelassen, um für den weitern Rückweg ein gutes Kühlsystem direkt am Körper zu haben. ;-)

Wie man auf den Fotos ganz klein sehen kann, bin ich mit Crocs gegangen, das sind im Prinzip Clogs aus Gummi. Sehr angenehm, wenn man ständig durch den Fluss geht. Allerdings hat dieses Schuhwerk auch seine Nachteile, nämlich haben sie praktisch kein Profil, wodurch ich in einem kleinen Moment der Unaufmerksamkeit gleich weggerutscht bin. Ärgerlich.

Die Kratzer, die ich mich dabei zugezogen habe, haben es dann leider verhindert, dass ich ins Tote Meer konnte, in dem nur die anderen vier waren:

Totes Meer
Totes Meer

Alles in allem, war der Tag sehr anstrengend, aber auch sehr cool, weil man viel Natur gesehen hat.

Post to Twitter Post to Facebook



Dummheit

11 08 2009

Von Sonntag auf Montag sind wir (Philip, Johannes und ich) nach Tel Aviv gefahren, um uns dort mit anderen Volontären am Strand zu treffen und zu chillen. Zunächst haben wir dann noch zwei Behinderte begleitet, die in Tel Aviv Freunde besucht haben. Da es für die beiden einfacher ist, sind wir mit dem Zug gefahren. Wenn man jetzt denkt, dass israelische Züge mit deutschen Zügen zu vergleichen sind, irrt man sich gewaltig. Die Züge sind dreckig, schweinekalt, und, man braucht für eine Strecke von 70 km über anderthalb Stunden, da das Etwas, das hier Zug genannt wird mit dem Begriff Bimmelbahn besser beschrieben wäre.

Als wir dann endlich da waren – und erstmal von der schwülen, heißen Tel Aviver Luft erschlagen wurden – sind wir an den Strand gefahren. Auf Grund unser Haarschneideaktion (http://www.lennardo-da-vinci.de/2009/08/11/shabatt-schur/), mussten wir uns dort am Strand sogar mehrfach unseren Kopf eincremen. Ungewöhnlich.

An sich konnten wir den Tag dann auch gut zum Entspannen nutzen, wäre da nicht unsere Dummheit. Im Laufe des Nachmittags wurden – trotz Bewachung – ein Rucksack und eine Tasche gestohlen, in der Nacht ist mein Portmonee abhanden gekommen und außerdem hat einer seine Hose und seinen Schlafsack verloren. In meinem Portmonee waren allerdings, dumm wie ich bin, meine Kreditkarte, zwei ec-Karten, eine deutsche SIM-Karte, mein Perso und etwa zehn Euro. Die Karten sind jetzt alle gesperrt, und, so wie ich das eben gelesen habe, kriege ich die Kreditkarte kostenlos ersetzt, sodass das alles nicht ganz so schlimm ist. Am ärgerlichsten an dem Tag war eigentlich, dass ich meine Brille, auf meine Isomatte gelegt habe als ich schwimmen war und da dann Sand drauf gekommen ist, weshalb ich jetzt drei nervige Kratzer auf dem einen Glas habe und dauernd das Gefühl habe, die Brille wäre dreckig.

Nachdem wir wieder zurück waren, konnte ich quasi sofort mit der Spätschicht anfangen, abends bin ich nicht gleich ins Bett gegangen, weil es der letzte Abend von Anna-Sophie, Maria und Anna-Lena war, und dann habe ich heute morgen schon wieder die Frühschicht gearbeitet. Jetzt sind die Mädels allerdings weg und wir sind eine reine Männer-WG; ich hoffe mal, wir kriegen das gut hin.

Nun muss ich aber gute Nacht sagen, um mein Schlafdefizit nicht noch mehr zu verstärken.

Post to Twitter Post to Facebook



Yad Vashem

30 07 2009

Am heutigen Tag haben wir uns – passend zum israelischen Trauertag – mit dem Holocaust beschäftigt.

Morgens haben wir dazu die weltweit größte Gedenkstätte Yad Vashem besucht. Dort haben wir eine Führung erhalten und wurden über weitere Hintergründe informiert, die mit einigen Geschichten angereichert waren, sodass man – trotz vielen Geschichtsunterrichts – nochmal neu an die Sache rangehen konnte und neue Perspektiven erhalten hat. Das ganze war mitunter sehr bedrückend, da man als Deutscher natürlich sehr betroffen ist, auch wenn man selbst keinen Juden getötet oder boykottiert oder anderweitig diskriminiert hat, sich aber schon in gewisser Weise verantwortlich und schuldig fühlt.

Einige Volontäre vor dem Eingang von Yad Vashem
Einige Volontäre vor dem Eingang von Yad Vashem
Führung in Yad Vashem
Führung in Yad Vashem
Blick über Jerusalem von Yad Vashem aus
Blick über Jerusalem von Yad Vashem aus
Pause in Yad Vashem
Pause in Yad Vashem

Abends hatten wir dann hier im Paulus-Haus, wo das Einführungsseminar stattfindet, Besuch von einer Holocaust-Überlebenden, die viel Leid mitgemacht hat, aber mit ihren 86 Jahren noch sehr fit ist, und ihre Geschichte weitererzählt, um Andere aufmerksam zu machen und mitzuhelfen, dass so etwas Schreckliches nicht nochmal passiert.

Themawechsel:

Nachmittags hatten wir noch etwas freie Zeit, in der wir in der Altstadt waren. Wir Juns wollten uns alles Kopfbedeckungen kaufen, und haben dann coole Strohhüte gefunden. Wir dachten den Verkäufer von 60 auf 26 Schekel runterzuhandeln, wäre ein guter Erfolg, aber da haben wir die Rechnung ohne den Araber gemacht, da wir am nächsten Laden erfahren haben, dass man die Strohhüte auch für 10 Schekel hätte bekommen können, da sie etwa 5 Schekel im Einkauf kosten, wobei sogar das wahrscheinlich noch gelogen war. Apropos Schekel, 1€ sind etwa 5,5 Schekel.

Einem Leser gefällt dieser Artikel.

Post to Twitter Post to Facebook



Altstadt, Geschichte und Trauertag

29 07 2009

Heute war ein ganz schön voller Tag.

Nachdem wir gestern Abend noch in einer Kneipe waren, mussten wir heute “erst um 7:30 bei der Morgen-Andacht sein” (Zitat Ingrid, eine der beiden Seminarleiterinnen), das heißt – da wir nur zwei Duschen für zwölf Männer haben – hat der Wecker nach nicht einmal fünf Stunden um 6:30 geklingelt. Eindeutig zu früh.

Von 9:00 bis 14:00 haben wir eine Stadtführung mit einem siebzigjährigen Holländer mit spanischem Vater gemacht, der orthodoxer Jude ist. Er hat uns echt viel rum geführt und wusste unglaublich gut bescheid. So weiß ich jetzt so einiges über das armenische Viertel, dass neben dem arabischen, jüdischen und christlichen ein bischen aus dem Rahmen zu fallen scheint. Die Armenier waren das erste Volk, dass (nahezu) komplett das Christentum übernommen hat. Die Armenier an sich leben sehr zurückgezogen, völlig eingemauert und hinter Stahltühren versteckt. Das ganze geht so weit, dass sie oben an den Mauern extra Glasscherben eingesetzt haben, dass ja keiner in den Innenhof gelangen kann. Die ganzen fünf Stunden konnte man natürlich nicht aufpassen, aber man fühlt sich jetzt nicht mehr so fremd und unwissend in dieser geschichtsträchtigen Stadt.

Am Nachmittag haben wir dann einiges über die politische und demografische Situation Israels, und über Kibbuzim gelernt, um ein gewisses Grundwissen zu haben.

Ansonsten hat heute um 18:00 der Trauertag der Juden begonne, an dem sie dem zerstörten Tempel hinterhertrauern und an der Klagemauer sind. Da waren wir vorhin noch mit ein paar Leuten, haben Fotos gemacht und uns angehört, wie Juden im Kreis saßen und gemeinsam Psalmen gesungen haben.

Post to Twitter Post to Facebook