Jordanien – Teil 1, Vorbereitungsstress

30 05 2010

Sonntag vor einer Woche haben wir uns auf den Weg nach Jordanien gemacht. Wir, das sind mein Mitbewohner Philip, Thamar und Rahel, die in einem Altenheim bei Tel Aviv arbeiten, und ich. Wir hatten uns zwar schon einige Gedanken gemacht, was wir in etwa sehen möchten, richtig konkret war aber nichts geplant also sind wir einfach losgefahren. Vorher gab es aber noch einiges zu organisieren.

Gepackt wurde Nachts, nachdem wir in der Stadt Bayern im Champions League-Finale haben verlieren sehen. Schlafen konnte ich um die drei Stunden, wie schon in der Nacht zuvor.

Andere Volontäre, die schon in Jordanien waren, hatten uns empfohlen, dort ein Auto zu mieten, da dies besonders günstig sein soll, weshalb ich mir meinen Führerschein aus Deutschland hab schicken lassen. Über eine Woche vor der Reise. Eigentlich kein Problem. Als der Brief aber nach und nach nicht ankam, bin ich am Sonntag, direkt vor der Abfahrt kurzerhand selbst zur Post gegangen, um nachzufragen, was ich schon ab und zu gemacht habe, wenn mir die Post zu lange gebraucht hat:

Ich erkläre der Frau auf hebräisch, dass ich einen Brief erwarte, sage ihr meinen Namen und meine Adresse, mit der Bitte, ob sie nachschauen könne. Sie fragt aber nach der Sendungsnummer, die ich noch nie gebraucht und natürlich nicht bei mir habe. Ohne könne sie mir nicht helfen. Ich versuche es noch weiter, und erkläre, wie wichtig der Brief sei, da ich meinen Führerschein erwarte. Allerdings bleibt sie hartnäckig.

Zeit nach Hause zu laufen, um in meinem Email-Postfach nachzuschauen habe ich nicht. Da bleibt dann nur die Variante, in Deutschland anzurufen. Leichter gesagt als getan, da mein Handy-Guthaben komplett aufgebraucht ist. Ich habe umgerechnet noch einen fünftel-Cent. Der Automat, wo man Aufladekarten kaufen kann, ist zur Freude des Tages auch noch kaputt, was ich der Frau klage. Zum Glück kann sie mein Guthaben auch über ihren Computer auffrischen. Das habe ich nicht gewusst.

Jetzt, wo ich wieder eine Hürde aus dem Weg geräumt habe, rufe ich in Deutschland an. Sonntags. 7:30 morgens. Natürlich geht niemand ran. Also versuche ich es bei meiner Schwester auf dem Handy, die sich nach einigem Klingeln verschlafen meldet und an Papa weiterreicht und mir weiterhelfen kann.

Mit der Sendungsnummer gehe ich wieder zu der Frau am Schalter, die mittlerweile schon ein bisschen genervt ist, von meinen vielen komplizierten Versuchen. Nachdem ich ihr die Nummer diktiert habe, schaut sie im Computer nach, um mir dann zu erklären, dass der Brief noch in Tel Aviv sei. Seit einer Woche. Alles umsonst. Der ganze Stress.

Jetzt heißt es, sich nicht zu sehr zu ärgern, schnell zur Central Bus Station zu kommen, um den Bus nicht zu verpassen, und sich auf den Urlaub zu freuen, obwohl wir kein Auto mehr mieten werden können.

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Holocaustgedenktag – יום השואה

13 04 2010

Gestern war in Israel der יום השואה (Jom HaShoa), also der nationale Holocaustgedenktag.

Morgens wurden deswegen in der Gedenkstätte Yad VaShem Kränze niedergelegt. Da auch unsere Organisation vertreten war, bin ich dort gewesen. Zunächst gab es strengere Sicherheitskontrollen als üblich: Meine Tasche wurde zweimal durchleuchtet, ich bin durch einen Metalldetektor gegangen, wurde gefragt wie lange ich schon im Land sei, was ich hier mache und ob ich Waffen dabei hätte und meine Hände wurde darauf geprüft, ob ich in letzter Zeit mit Sprengstoff zu tun hatte.

Nach zwei Schweigeminuten um zehn Uhr, die im ganzen Land begangen wurden (sogar im Straßenverkehr), begann die Zeremonie:

Sechs Feuer, jeder für eine Million ermodete Juden
Sechs Feuer, jeder für eine Million ermodete Juden
Präsident Shimon Peres
Präsident Shimon Peres
Ministerpräsident Benjamin "Bibi" Netanjahu
Ministerpräsident Benjamin "Bibi" Netanjahu
Mitglieder der Organisation für Veranen, Partisanen und Verwundete im Aufbegehren gegen Nazis
Mitglieder der Organisation für Veranen, Partisanen und Verwundete im Aufbegehren gegen Nazis
104 Kränze
104 Kränze

(Bilder von www.yadvashem.org/)

Etwas irritiert hat mich, dass, soweit ich es verstanden habe, vielleicht fünf der 104 Kränze aus Deutschland waren, die auch fast alle von Volontärsorganisationen. Neben den wichtigsten Menschen des israelischen Staates, hätte ich eigentlich den deutschen Botschafter, wenigstens aber einen offiziellen deutschen Vertreter erwartet. War aber niemand da.

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Israel kurzgefasst – Überblick

10 04 2010

Gestern ist mir eine neue Veröffentlichung der Bundeszentrale für politische Bildung aufgefallen.

Das Heft ist von einer ZEIT-Autorin verfasst, die 16 Jahre in Israel lebt. Das was ich bisher gelesen habe erschien mir sehr objektiv und hilfreich.

Jeder, der sich genauer über gewisse Themenbereiche bezüglich des Landes, in dem ich lebe, informieren möchte findet hier eine kostenlose pdf-Version und die Möglichkeit das Büchlein zu bestellen:

http://www.bpb.de/publikationen/E48JUT,0,Israel_kurzgefasst.html

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März-Fotos

2 04 2010

Nachdem ich im letzten Eintrag die letzte Zeit schon mal kurz zusammengefasst habe, gibt es jetzt auch ein paar Bilder zu dem, was los war.

Wenn man auf ein Bild klickt, vergrößert es sich automatisch und die Bildunterschrift wird angezeigt.

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Typisches Abendessen in Ägypten
Typisches Abendessen in Ägypten
Kamelreiten in der Wüste im Sinai
Kamelreiten in der Wüste im Sinai
Abseits der Touri-Orte auf dem Weg nach Hause zu Mohammad, einem Beduinen
Abseits der Touri-Orte auf dem Weg nach Hause zu Mohammad, einem Beduinen
Paintball-Spielen vor dem Haifa-Seminar, in den Haaren kleben zwei Kopfschüsse
Paintball-Spielen vor dem Haifa-Seminar, in den Haaren kleben zwei Kopfschüsse
In den Baha'i-Gärten von Haifa
In den Baha’i-Gärten von Haifa
Foto aus einem abgelegen Haus in Haifa, ideal für Bandfotos
Foto aus einem abgelegen Haus in Haifa, ideal für Bandfotos
Noch ein Bandfoto mit Anna und Joachim, beide Volontäre bei meiner Organisation
Noch ein Bandfoto mit Anna und Joachim, beide Volontäre bei meiner Organisation
Meine WG: Johannes, David, Philip und ich
Meine WG: Johannes, David, Philip und ich

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Zu viele Gedanken – Kurze Zusammenfassung

31 03 2010

In letzter Zeit gab es auf diesem meinem Blog eher wenige Beiträge. Das liegt wahrscheinlich daran, dass mein Leben derzeit so rastlos ist. Sobald ich von einem Ausflug zurückkomme, bin ich erledigt, und möchte meine Gedanken sammeln, ehe ich mich versehen habe, bin ich aber schon wieder woanders, und dieses Dilemma fängt wieder und wieder von vorne an.

Trotzdem hier mal eine kleine Zusammenfassung:

  • Anfang März bin ich mit 5 Mitvolontären nach Ägypten nach Dahab auf der Sinai-Halbinsel gefahren. Dort haben wir die Zeit genutzt, um Quad zu fahren, auf Pferden und Kamelen zu reiten, uns mit Schnorchel, Maske und Flossen die Korallen anzuschauen, günstig und unkoscher zu essen, …
  • Eine gute Woche später hatte ich dann schon ein Wochenendseminar in Haifa. Nachdem ich vorher zusammen mit vielen Anderen noch zum ersten Mal Paintball gespielt habe, befassten wir uns vor allem mit verschiedenen Strömungen des Judentums.
  • Direkt vom Seminar holte meine Familie (Opa, Mama, Papa & Schwester) mich schon ab. Innerhalb einer Woche konnte ich ihnen vieles vom Land zeigen und einen guten Einblick geben, wo und wie ich hier lebe. Unter anderem waren wir in Haifa, Akko, am See Genezareth, in Jerusalem, am Toten Meer, in Beer Sheva und Latrun.
  • Nach einem kurzen Tag der Erholung ging es vorgestern nach Tiberias am See Genezareth, auf einen Trip mit unseren Behinderten. Dieser kurze Urlaub war für die Behinderten, die währen des Passah-Festes nicht nach Hause zu ihren Familien fahren konnten organisiert.

Vorhin sind wir davon zurückgekommen. Und ich tippe noch schnell diesen Eintrag, damit ich nicht schon wieder unterwegs bin, wenn ich denke meine Gedanken ausreichen geordnet zu haben. Am Sonntag fahren ich nämlich schon wieder für drei Tage mit einem Behinderten zu seiner Familie.

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Interessante Begegnungen

2 03 2010

Heute bin ich mit einem neuen Patienten von uns in die Mall gefahren um etwas zu kaufen. Unterwegs habe ich mich mit unserem Fahrer unterhalten. Nachdem es auf der Hinfahrt um Fußball ging kamen wir auf dem Rückweg auf den Nahostkonflikt. Zunächst klagte er, dass gute Musiker nach Deutschland, jedoch nicht nach Israel kämen und drückte aus, dass er gerne in einem anderen Land geboren wäre. Allerdings, so meinte er, sei es nachvollziehbar, dass Israel nicht hoch angesehen ist bei internationalen Stars der Showbranche, ein kleines Land in dem es so viele Probleme gebe.

Im Laufe des Gespräches sagte er einige Dinge, die ich schon häufig gehört habe:

“Nie wird hier Frieden herrschen können. Natürlich habe ich arabische Freunde, hier, hier und auch hier (dabei zeigte er aus dem Fenster). Auf der persönlichen Ebene ist das überhaupt kein Problem, aber tiefgreifender Frieden zwischen den Völkern ist eine Illusion.”

Seiner Meinung nach sind die derzeitigen Machthaber alle viel zu ängstlich um wirklich was zu verändern. Es müsse Politiker geben, die die Araber wirklich als Menschen behandelen, nicht wie Tiere. Sonst sei es auch völlig selbstverständlich, dass sie sich wie ebensolche verhalten und in die Luft sprengen. Allerdings seien die derzeitigen Machthaber viel zu wenig an einer Lösung des Konfliktes interessiert, da dieser sich finanziell sehr positiv auswirke.

Interessiert welche Meinung er zu den USA, den UN (hier häufig als United Nonsens, also Vereinter Blödsinn, bezeichnet) und Obama hatte, fragte ich nach. Die eindeutige Antwort war:

“Obama is just a gimmick.” (Obama ist nur ein Kleinteil in dem Konflikt, das niemand wirklich braucht.)

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Später am Nachmittag, bin ich dann noch für einen unserer Muskelschwundpatienten zur Post gegangen, auf dem Weg hat mich ein Jude zu sich gerufen. Also bin ich zu ihm hingegangen und habe schon überlegt, was er von mir möchte, da es ein ganz normaler Wochentag war (Am Shabbat sprechen Juden ab und zu Goi, also Nichtjuden, an, ob sie ihnen das Licht anmachen könnten o.ä., Ausfühlicheres zum Shabbat hier).

Als ich näher kam fragte er mich, ob ich zehn Minuten Zeit hätte, mit ihm und den anderen acht zu beten. (Im Judentum braucht man zehn Männer um in der Synagoge beten zu können, sie waren nur zu neunt). Ich verstand wie er zu einem der anderen sagte: “Er braucht ja nur Amen zu sagen.” Irritiert von meinen fragenden Gesichtsausdruck fragte er mich ob ich überhaupt jüdisch sei, nachdem ich verneinte, konnte ich weitergehen. Das war auf Grund des Zeitdrucks auch ganz gut so, allerdings war ich doch ein bisschen traurig, weil bestimmt interessant geworden wäre.

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Walter Bingham

12 02 2010

Letztens, hatten wir im Hauskreis mal wieder Besuch von einem Holocaustüberlebenden, der uns jungen deutschen Volontären seine Geschichte in  Deutschland erzählt hat.

Er hieß Walter Bingham und wurde 1924 in Karlsruhe geboren, wo er die ersten gut 15 Jahre seines Lebens verbracht hat, bis er nach England fliehen konnte.

Mich hat es stark beeindruckt, dass er trotz der schlimmen Erfahrungen in seiner Kindheit uns so offen gegenübertreten konnte ohne verbittert zu wirken.

Er hat erzählt, wie schwer es für ihn in der Schule war, da die Lehrer ihn nicht drannahmen oder er schlechtere Noten bekam als der Mitschüler, der von ihm abgeschrieben hatte; jeweils mit der Begründung: „Ein Jude kann gar nicht so viel wissen.“

Im Laufe der Zeit wurde die Schulsituation immer schlechter, in den Pausen wurde er über den Schulhof gehetzt im Unterricht musste er alleine in der letzten Reihe sitzen, da man es den Ariern nicht zumuten konnte neben einem Juden zu sitzen. Zum Schluss wurden die Juden sogar ganz aus der Schule geworfen.

Wie falsch die nationalsozialistische Rassenkunde war, zeigt sich exemplarisch an zwei Geschichten die er erzählt hat: In der Klasse seines Cousins wurde ein blondes Mädchen vom zuständigen Rassekundelehrer vor der Klasse als rein arisch beschrieben. Allerdings war sie jüdisch. Auch seine Mutter – natürlich jüdisch – hat etwas ähnliches erlebt, nämlich meinte ein Offizier, der mit ihr anbandeln wollte, nur an der Hand erklären zu können, wie eindeutig ihre arische Abstammung war.

Am komischsten wurde mir selbst jedoch in den Momenten wo mir unbewusst ein leichtes Lachen rausrutsche, wahrscheinlich weil ich das gehörte nicht wahrhaben und glauben wollte oder konnte: Zum Beispiel dann wenn er selbstverständlich davon erzählte, „Saujude“ genannt worden zu sein oder einen Dolch rumgab, den jeder Junge in der Hitlerjugend erhielt, mit der Aufschrift „Blut und Ehre“. Warum diese Aufschrift? Seine Erklärung begann er mit der damals üblichen Liedzeile “Wenn das Judenblut vom Messer tropft, dann geht’s nochmal so gut”. Je mehr Juden also durch die Klinge verletzt oder umgebracht wurden, desto mehr Ehre bedeutete das für den Träger des Dolches.

Natürlich hat man in der Schule schon vieles über die Shoa gehört, allerdings haben solche persönlichen Erfahrungsberichte immer nochmal einen ganz anderen Einfluss auf mich.

Ich frage mich dann immer wie man in Zukunft mit den grausamen Ereignissen des Holocausts umgehen soll, auf der einen Seite sehe ich die Gefahr, dass man beispielsweise in der Schule, wo die Shoa in großem Umfang behandelt wird, überladen wird mit Informationen und das Thema nicht mehr hören kann. Auf der anderen Seite merke ich aber, wie eindeutig Zeitzeugenberichte festhalten, dass es schrecklich ist, was, vor allem mit dem jüdischen Volk, natürlich aber auch mit anderen Minderheiten, passiert ist und man darauf achten dass so etwas nie wieder passiert.

Abschließen möchte ich diesen Eintrag mit einem Zitat, dass Walter Bingham angebracht hat:

„For evil to succeed, it needs good people to do nothing.“ („Schlechtes kann sich nur durchsetzen, wenn gute Menschen nichts dagegen unternehmen.“)

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Video über meine Einrichtung

2 02 2010

Philip hat heute ein Video über das מעון נכים גילו (Maon Nachim Gilo – Behindertenheim Gilo) bei YouTube gefunden, das einen kleinen Einblick davon gibt, wo ich hier in Israel arbeite. Allerdings ist es nur auf hebräisch, aber so hört ihr auch mal, wie die Sprache klingt, mit der ich mich hier mehr oder weniger gut verständige:

Edit: In dem Video sind unter anderem die ehemalige Chef-Krankenschwester des Behindertenheims, der Verantwortliche für den Pool (in dem die Behinderten mit Hilfe schwimmen können um ihre Beweglichkeit zu fördern bzw. zu erhalten), die Haupt-Physiotherapeutin, die Frau, die für die Tiertherapie zuständig ist, und der Manager zu sehen.

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Judentum und Shabbat

3 01 2010

Ein zentraler Bestandteil des Judentums ist der Shabbat, ein Tag in der Woche, an dem man komplett ruht und der auch trotz seiner Regelmäßigkeit der höchste Feiertag der Religion ist. Hier in Israel kann man diesen Tag nicht übersehen; anders als am deutschen Sonntag, fahren zumindest in Jerusalem keine Busse, Läden sind geschlossen. Dies wird umgesetzt, obwohl längst nicht alle Menschen die hier leben jüdisch sind (etwa 75% der Israelis sind jüdischer Abstammung, als religiös bezeichnet sich von dieser Gruppe aber nur ein Drittel). Um die 20% der Bevölkerung sind arabisch, die den Shabbat in ihren Gebieten natürlich nicht einhalten müssen, aber auf öffentlichen Plätzen bleibt ihnen allerdings auch nichts anderes übrig.

Für den Shabbat gibt es unterschiedliche Begründungen, unter anderem, dass – laut der Überlieferung der Schöfpungsgeschichte – Gott in sechs Tagen die Welt erschaffen, am siebten Tag jedoch geruht hat, dass Gott Israel aus Ägypten in das Land geführt hat, in dem sie auch heute wieder leben oder auch als Ruhepause um neue Kraft für die Arbeit zu sammeln.

Das Arbeitsverbot, das mit dem Shabbat einhergeht ist heutzutage durch den Talmud, der zweitwichtigsten jüdischen Schrift ziemlich eindeutig festgelegt. So darf man kein Feuer anzünden, nichts verdienen (religiösen Juden fassen am Shabbat nicht einmal Geld an), keine Werkzeuge verwenden und auch nicht schreiben. Eine interessante Angelegenheit ist auch der sogenannte Shabbatfahrstuhl: Da das Drücken von Knöpfen als Arbeit gilt, gibt es Aufzüge, die grundsätzlich auf jedem Stockwerk für einige Minuten halten, damit man ein- und aussteigen kann, ohne den Feiertag zu missachten.

Juden dürfen beispielsweises auch keine anderen Menschen zur Arbeit auffordern, da sie sich nicht ganz sicher sein können, ob der andere jüdisch ist, oder nicht. Deswegen fragen meine religiösen Behinderten mich am Shabbat nicht, ob ich das Licht anmachen könne, sondern sagen: “Es ist so dunkel im Raum.”

Die grundlegende Entscheidungsregel zur Bestimmung, was erlaubt ist und was nicht, lautet im Judentum, ob etwas neues geschaffen wird, oder nicht.

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Letztens waren Philip, Sara und ich an einem Samstag an der Altstadt, bevor wir zur Gemeinde gegangen sind. Während wir zum Damaskustor liefen, sind wir an einer Demonstration Ultra-Orthodoxer Juden vorbei gekommen:

Die Menge setzte sich dafür ein, dass der Shabbat in ganz Jerusalem so praktiziert wird, wie in den ultra-orthodoxen Vierteln (Dazu gehört beispielsweise, dass in der ganzen Stadt kein Auto fahren solle) und untermauerte ihr Anliegen durch laute „Shabbes“-Rufe, was jiddisch ist und Shabbat heißt.

In dem Moment habe ich mich wieder einmal gewundert, wieso die Juden sich möglichst genau an das Gesetz, zu halten versuchen, und dazu jeden kleinsten Wortlaut umsetzten; gleichzeitig jedoch den Sinn des Gesetzes – zumindest aus meiner Perspektive – völlig außer Acht lassen, indem sie auf der Straße stehen und Rabatz machen. Ich verstehe den Shabbat als ein Aufforderung Gottes als Mensch zur Ruhe zu kommen.

Im nächsten Augenblick hab ich dann aber gedacht, wie engstirnig es ist, die andere Religion innerlich zu kritisieren, weil sie Sachen nicht so versteht wie ich, und ich bin mir sicher, dass es auch in dem, was wir als Christen machen, vieles gibt, wo Andere nur den Kopf drüber schütteln können, da es am Sinn vorbeizugehen scheint. Ich hoffe, dass ich die Augen offen halten kann für solche Dinge und feste Grundsätze nicht ungefragt übernehme, weil man es nun mal so macht.

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Übrigens: Frohes Neues!

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Weihnachtsbaum

23 12 2009

Weihnachten rückt immer dichter und ich kann mir vorstellen, dass man in Deutschland an diesem Fest nicht vorbeikommt. Das ist hier in Israel ganz anders, wo der Großteil der Bevölkerung jüdisch oder muslimisch ist, weswegen den christlichen Feiertagen kaum Beachtung geschenkt wird.

Man kann das Gedenken an die Geburt Jesu also auch mal ohne den ganzen Trubel begehen, ohne die westlichen Traditionen, die im Laufe der Zeit an Weihnachten rangedichtet wurden. Dies hat natürlich Vorteile, aber irgendwie hat man sich auch daran gewöhnt, dass Weihnachten in Deutschland noch viel mehr ist, viel mehr Kultur sich zusätzlich entwickelt hat und ein fester Bestandteil des Festes ist. Und so haben wir es uns als Volontärs-WG nicht nehmen lassen, ein bisschen europäische Weihnachtsstimmung in unsere Wohnung zu holen, indem wir letztens einen Weihnachtsbaum geschlagen haben (Keine Angst, er hat die Backpfeife verkraftet ;-) ), der jetzt, wo er so schön geschmückt ist, unser Zuhause weihnachtlicher und gemütlicher macht:

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