Fazit

28 09 2010

Mittlerweile bin ich schon eine Weile wieder in Deutschland. Da ist es mal an der Zeit, ein Fazit zu wagen; die Erfahrungen des Jahres zusammenzufassen.

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Anfangszeit:

Ich hatte mir in dem Jahr in Israel relativ wenig vorgenommen und auch kaum Vorstellungen mitgebracht. Ich wollte es auf mich zukommen lassen und schauen was passiert. Mit der Einstellung habe ich dann auch Deutschland verlassen, hab mein halbes Zimmer im Aufräumwahn weggeschmissen und mich voll auf das neue Land eingelassen.

Angekommen war ich erstmal überrascht, vom Land, von Jerusalem, von der Arbeit. Obwohl ich wenig Erwartungen hatte, waren diese doch anders als das, was ich vor Ort antraf. Zum Anfang wusste ich nicht, wie ich mit den Behinderten umgehen sollte, doch nachdem ich die erste Zeit durchgestanden hatte, wurden viele Handgriffe zur Routine. Duschen, Zähne putzen, rasieren, anziehen, füttern und das, was sonst noch so anfiel ging mir leicht von der Hand. Das ungewohnte Feld, die Arbeit mit Behinderten, stellte mich und auch meine WG-Kollegen vor einige Herausforderungen, die wir meist dadurch verarbeiteten, dass wir nach einer Schicht gemeinsam in der Küche saßen und zwei Stunden lang nur erzählten, was alles passiert war, und lachten. Jetzt wo ich wieder zurück bin haben ich einen viel geschulteren Blick auf Behinderte und mir fallen häufig Menschen im Rollstuhl auf.

Nachdem sich die anfänglichen nächtlichen Träume, zurück nach Deutschland zu gehen, wieder verflüchtigt hatten, war ich endgültig angekommen und musste ich mich im Laufe der Zeit dann nicht mehr auf die Arbeit an sich konzentrieren, sondern konnte mich viel besser mit Menschen beschäftigen.

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Holocaust:

Das schwärzeste Kapitel deutscher Geschichte ist immer präsent. Mal mehr, mal weniger auffällig. Gleich während des Einführungsseminars waren wir in Yad Vashem, der Holocaust-Gedenktstätte. Die Atmosphäre dort ist bedrückend, weil die Vergangenheit sehr gut aufbereitet ist, und man als Deutscher natürlich auch viele Reden und Plakate ohne Übersetzung verstehen kann.

Im Laufe des Jahres haben uns auch immer wieder Shoa-Überlebende im Hauskreis besucht und ihre Lebensgeschichte erzählt. In Deutschland finde ich, dass man vor allem in der Schule, häufig mit dem Holocaust überladen wird, da jeder Schüler verstehen soll, was falsch war und ist. Allerdings habe ich das Gefühl, dass man bei diesem an sich guten Anliegen oft über das Ziel hinausschießt, wenn es beispielsweise kaum eine Abiturprüfung ohne einen Bezug zur Nazizeit abgelegt werden kann.

In Israel konnte ich aber nochmal einen ganz neuen Zugang zu dem Thema finden, da die Zeitzeugenberichte so persönlich waren. Es wurde nicht zum x-ten Mal erzählt, wie Hitler an die Macht kam, sondern die Überlebenden nahmen uns in mit die Zeit hinein und erklärten, wie sich ihre Umgebung verhielt. Es waren Momente, denen man sich nicht entziehen konnte wie im Schulunterricht.

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Sicherheit:

Viele Menschen fragen, ob es sicher war in Israel. Vor einem guten Jahr, habe ich mir dieselbe Frage gestellt, doch in Israel selbst war die Situation anders als erwartet. Von Anschlägen und Raketen hab ich gar nichts mitgekriegt, allerdings galt das letzte Jahr auch als das sicherste seit langem. Anfangs waren einige Dinge noch ungewohnt, wenn mir zum Beispiel im Bus ein Soldat mit seiner auf mich gerichteten Waffe gegenüber saß oder auch wenn ich vor vielen  öffentlichen Gebäuden, wie zum Beispiel Kaufhäusern, Metalldetektoren zu passieren hatte.

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Juden:

Im Rückblick merke ich, wie wenig ich vor dem Jahr doch über Juden wusste. Dinge wir Kippa, Schläfenlocken oder Perücken waren mir ziemlich neu und auch über die Geschichte des Staates kannte ich wenig Einzelheiten. Während meiner Zeit im Land habe ich aber vieles, wertvolles gelernt. Bei Redewendungen wie “Guten Rutsch” oder auch dem Begriff  ”koscher” steckt für mich jetzt viel mehr dahinter und ich kenne die Zusammenhänge.

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Hebräisch:

Israel ist ein Einwanderungsland, da viele Juden seit der Staatsgründung eingewandert sind. In ihren Ursprungsländern sind sie natürlich immer noch verwurzelt, das heißt sie sprechen auch noch die andere Sprache. Damit sie schnell und gut Hebräisch lernen können, gibt es sogenannte Ulpanim, also Sprachschulen für die Neueinwanderer. An sich ist Hebräisch also für nicht wenige Israelis eine Zweitsprache, die man noch lernt.

Auf Grund dieser Situation werden Menschen, die nur gebrochen sprechen anders behandelt, als in Deutschland. Etwas verallgemeinert könnte man sagen, dass Deutsche bei Ausländern eher darauf achten, welche Dinge sie im Deutschen noch nicht können, wohingegen Israelis sich eher freuen, wenn man überhaupt Hebräisch spricht, weshalb die Fehlertoleranz auch größer ist.

Ich selbst hatte einmal die Woche anderthalb Stunden Unterricht bei einer pensionierten Ulpanlehrerin, die Volontären kostenlos ihre Kenntnisse vermittelt hat.

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Araber:

Die meisten Juden leben bekanntlich erst seit wenigen Jahrzehnten wieder im Land, viele Araber wohnen dort aber schon über Generationen hinweg. Dies merkt man auch an ihrer Mentalität, die noch etwas südländischer scheint. Ich würde sie verkürzt gesagt als extremer bezeichnen. Im Guten wie im Schlechten. So sind die Verkäufer auf dem Souq aufdringlicher, verfluchen einen lauter, wenn ein Geschäft nicht zustande kommt, und betteln – vor allem in Ägypten – stärker um Trinkgeld.

Auf der anderen Seite sind sie zu “Freunden” aber auch viel offener. Wie bereits berichtet wurden wir von den Beduinen in Jordanien so herzlich wie nur möglich aufgenommen, fast schon gemästet und in ihre Lebensweise eingeführt. Die Trennung zwischen Arbeit und Freizeit ist deutlich; wenn sie mit jemandem verhandeln, wollen sie ein gutes Geschäft machen, wenn sie einen Gast haben, spielt Geld keine Rolle.

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Fazit:

In der Anfangszeit, habe ich mich manchmal gefragt, ob es die richtige Entscheidung war, ein Jahr in Israel zu verbringen. Verglichen mit manchen Freunden, habe ich eine Sprache gelernt, die keiner spricht, und zu viel gearbeitet. Jetzt, wo das Jahr hinter mir liegt, weiß ich jedoch, dass ich keine bessere Wahl hätte treffen können, da ich nicht in einem “Standardland” war, einen unglaublich tiefen Einblick in den faszinierenden Nahen Osten bekommen habe, und so viele Geschichten mitgenommen habe, mit denen ich auch anderen Menschen Dinge, seien sie theologisch, kulturell oder politisch greifbar machen kann. Es hat sich gelohnt.

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März-Fotos

2 04 2010

Nachdem ich im letzten Eintrag die letzte Zeit schon mal kurz zusammengefasst habe, gibt es jetzt auch ein paar Bilder zu dem, was los war.

Wenn man auf ein Bild klickt, vergrößert es sich automatisch und die Bildunterschrift wird angezeigt.

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Typisches Abendessen in Ägypten
Typisches Abendessen in Ägypten
Kamelreiten in der Wüste im Sinai
Kamelreiten in der Wüste im Sinai
Abseits der Touri-Orte auf dem Weg nach Hause zu Mohammad, einem Beduinen
Abseits der Touri-Orte auf dem Weg nach Hause zu Mohammad, einem Beduinen
Paintball-Spielen vor dem Haifa-Seminar, in den Haaren kleben zwei Kopfschüsse
Paintball-Spielen vor dem Haifa-Seminar, in den Haaren kleben zwei Kopfschüsse
In den Baha'i-Gärten von Haifa
In den Baha’i-Gärten von Haifa
Foto aus einem abgelegen Haus in Haifa, ideal für Bandfotos
Foto aus einem abgelegen Haus in Haifa, ideal für Bandfotos
Noch ein Bandfoto mit Anna und Joachim, beide Volontäre bei meiner Organisation
Noch ein Bandfoto mit Anna und Joachim, beide Volontäre bei meiner Organisation
Meine WG: Johannes, David, Philip und ich
Meine WG: Johannes, David, Philip und ich

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Zu viele Gedanken – Kurze Zusammenfassung

31 03 2010

In letzter Zeit gab es auf diesem meinem Blog eher wenige Beiträge. Das liegt wahrscheinlich daran, dass mein Leben derzeit so rastlos ist. Sobald ich von einem Ausflug zurückkomme, bin ich erledigt, und möchte meine Gedanken sammeln, ehe ich mich versehen habe, bin ich aber schon wieder woanders, und dieses Dilemma fängt wieder und wieder von vorne an.

Trotzdem hier mal eine kleine Zusammenfassung:

  • Anfang März bin ich mit 5 Mitvolontären nach Ägypten nach Dahab auf der Sinai-Halbinsel gefahren. Dort haben wir die Zeit genutzt, um Quad zu fahren, auf Pferden und Kamelen zu reiten, uns mit Schnorchel, Maske und Flossen die Korallen anzuschauen, günstig und unkoscher zu essen, …
  • Eine gute Woche später hatte ich dann schon ein Wochenendseminar in Haifa. Nachdem ich vorher zusammen mit vielen Anderen noch zum ersten Mal Paintball gespielt habe, befassten wir uns vor allem mit verschiedenen Strömungen des Judentums.
  • Direkt vom Seminar holte meine Familie (Opa, Mama, Papa & Schwester) mich schon ab. Innerhalb einer Woche konnte ich ihnen vieles vom Land zeigen und einen guten Einblick geben, wo und wie ich hier lebe. Unter anderem waren wir in Haifa, Akko, am See Genezareth, in Jerusalem, am Toten Meer, in Beer Sheva und Latrun.
  • Nach einem kurzen Tag der Erholung ging es vorgestern nach Tiberias am See Genezareth, auf einen Trip mit unseren Behinderten. Dieser kurze Urlaub war für die Behinderten, die währen des Passah-Festes nicht nach Hause zu ihren Familien fahren konnten organisiert.

Vorhin sind wir davon zurückgekommen. Und ich tippe noch schnell diesen Eintrag, damit ich nicht schon wieder unterwegs bin, wenn ich denke meine Gedanken ausreichen geordnet zu haben. Am Sonntag fahren ich nämlich schon wieder für drei Tage mit einem Behinderten zu seiner Familie.

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Wochenendseminar am See Genezareth

2 10 2009

Vor mittlerweile schon drei Wochen hatten wir unser erstes Wochenendseminar, und zwar am See Genezareth. Es ging während der drei Tage um das Thema „Auf den Spuren Jesus“.

Angereist sind wir, also die ILAN-WG, mit Ingrid und Olga, den Leitern von Dienste in Israel in Jerusalem. Das war sehr praktisch, da wir so die Buskosten sparen konnten und auch noch direkt von zu Hause abgeholt wurden. Die beiden sind schon früh gefahren, weswegen wir in Karei Deshe (dem Ort des Seminars) noch genügend Zeit hatten, ein konstruktives Gespräch über die teilweise schwierigen Bedingungen in unserer Einrichtung zu führen.

Die Unterkunft war sehr angenehm, die Ausschreibung als Jugendherberge lässt sich eindeutig als Untertreibung beurteilen. Sehr gutes Essen, Privatstrand und klimatisierte Räume kennt man von deutschen Jugendherbergen jetzt nicht unbedingt. Da wir als Volontäre jetzt nicht immer das beste Essen bekommen, haben einige andere sich beim ersten Abendessen überfressen und lagen mit Bauchschmerzen im Bett.

Abends begann das Seminar mit einem Bunten Abend (Ja ich weiß, komische Reihenfolge, den Bunten Abend zum Anfang zu machen). Jedenfalls gab es verschiedene künstlerische Darstellungen in Form von Kunst, Musical oder Theater und das ganze wurde von Johannes und mir moderiert.

Am Samstag hatten wir dann verschiedenes vor. Zunächst sind wir nach Kana gefahren, wo Jesus Wasser zu Wein verwandelt haben soll und haben uns die dort errichtete Kirche angeschaut. Mit solchen Orten kann ich immer herzlich wenig anfangen, wenn man so tut, als ob man genau wüsste, dass Jesus an der Stelle etwas Besonderes gemacht hat.

Umso interessanter war dann der nächste Ort, nämlich Nazareth. Hier haben wir uns keine touristischen Attraktionen angesehen, sondern das „Nazareth Village“ besucht. Sinn des Dorfes ist es, nachzustellen wie man vor zweitausend Jahren eventuell gelebt haben könnte. Dazu sind Schauspieler angestellt, die damals übliche Kleidung tragen und es wurde zentrale Punkte eines zeitgenössischen Dorfes nachgebaut. Das Ganze ist im Prinzip ein Weinberg, inklusive Wachturm, Wohnungen und Synagoge. Der Ansatz, dass es wahrscheinlich so war, aber man sich nicht auf angebliche Tatsachen versteift hat mir sehr gefallen. Außerdem konnte uns unser Guide viele Hinweise darauf geben, wie nah Jesu Gleichnisse teilweise an der Lebenswirklichkeit der Zuhörer waren, sehr interessant.

Nazareth Village
Nazareth Village

Beeindruckt hat mich auch die Synagoge, die in krassem Gegensatz zu vielen heutigen Kirchengebäuden steht. In so einer Synagoge, die sehr einfach ist, sitzt man im Kreis und hört nicht einfach in einer Kinositzmentalität dem, was vorne gemacht wird, zu, sondern beteiligt sich aktiv, streitet, diskutiert.

Nazareth Village - Synagoge
Nazareth Village – Synagoge

Als letzte Station vor dem Mittagessen waren wir auf einem Berg nahe Nazareth, von dem aus man auch den Berg Tabor sehen kann. Daran, wie der Berg genau hieß, erinnere ich mich leider nicht mehr, aber auf jeden Fall konnte man dort schöne Bilder machen. Wie dieses mit meinen WG-Kollegen:

WG-Foto
WG-Foto

Nachmittags bin ich mit ein paar anderen Volontären noch auf dem Berg der Seligpreisungen gewesen, wo Jesus die Bergpredigt gehalten haben soll. Ob es nun wirklich dort gewesen ist, wo heute eine Kirche steht, lass ich mal dahin gestellt, aber darum ging es mir auch nicht, vielmehr wollte ich mir mal vorstellen können, auf was für einem Berg Jesus so seine Predigt gehalten haben könnte.

Abgeschlossen wurde das Seminar mit einem Gottesdienst in Tabgah, dem Ort, dem man zuschreibt, dass dort die Speisung der Fünftausend stattgefunden hat. Drei Stunden Gottesdienst hatte ich bis dahin auch noch nicht erlebt.

Abschlussgottesdienst
Abschlussgottesdienst

Schönerweise wurden wir auch zurück nach Jerusalem von Ingrid und Olga mitgenommen und mussten Sonntag nicht mehr arbeiten.

Alles in allem, war es sehr schön, alle Volontäre zu treffen und eine Ahnung davon zu bekommen, wie es vor zweitausend Jahren so zuging. Überrascht hat mich vor allem, dass man den See Genezareth bei gutem Wetter komplett überblicken kann und dass die Orte, in denen viele biblische Ereignisse stattfanden, so dicht zusammen liegen.

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Yad Vashem

30 07 2009

Am heutigen Tag haben wir uns – passend zum israelischen Trauertag – mit dem Holocaust beschäftigt.

Morgens haben wir dazu die weltweit größte Gedenkstätte Yad Vashem besucht. Dort haben wir eine Führung erhalten und wurden über weitere Hintergründe informiert, die mit einigen Geschichten angereichert waren, sodass man – trotz vielen Geschichtsunterrichts – nochmal neu an die Sache rangehen konnte und neue Perspektiven erhalten hat. Das ganze war mitunter sehr bedrückend, da man als Deutscher natürlich sehr betroffen ist, auch wenn man selbst keinen Juden getötet oder boykottiert oder anderweitig diskriminiert hat, sich aber schon in gewisser Weise verantwortlich und schuldig fühlt.

Einige Volontäre vor dem Eingang von Yad Vashem
Einige Volontäre vor dem Eingang von Yad Vashem
Führung in Yad Vashem
Führung in Yad Vashem
Blick über Jerusalem von Yad Vashem aus
Blick über Jerusalem von Yad Vashem aus
Pause in Yad Vashem
Pause in Yad Vashem

Abends hatten wir dann hier im Paulus-Haus, wo das Einführungsseminar stattfindet, Besuch von einer Holocaust-Überlebenden, die viel Leid mitgemacht hat, aber mit ihren 86 Jahren noch sehr fit ist, und ihre Geschichte weitererzählt, um Andere aufmerksam zu machen und mitzuhelfen, dass so etwas Schreckliches nicht nochmal passiert.

Themawechsel:

Nachmittags hatten wir noch etwas freie Zeit, in der wir in der Altstadt waren. Wir Juns wollten uns alles Kopfbedeckungen kaufen, und haben dann coole Strohhüte gefunden. Wir dachten den Verkäufer von 60 auf 26 Schekel runterzuhandeln, wäre ein guter Erfolg, aber da haben wir die Rechnung ohne den Araber gemacht, da wir am nächsten Laden erfahren haben, dass man die Strohhüte auch für 10 Schekel hätte bekommen können, da sie etwa 5 Schekel im Einkauf kosten, wobei sogar das wahrscheinlich noch gelogen war. Apropos Schekel, 1€ sind etwa 5,5 Schekel.

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Altstadt, Geschichte und Trauertag

29 07 2009

Heute war ein ganz schön voller Tag.

Nachdem wir gestern Abend noch in einer Kneipe waren, mussten wir heute “erst um 7:30 bei der Morgen-Andacht sein” (Zitat Ingrid, eine der beiden Seminarleiterinnen), das heißt – da wir nur zwei Duschen für zwölf Männer haben – hat der Wecker nach nicht einmal fünf Stunden um 6:30 geklingelt. Eindeutig zu früh.

Von 9:00 bis 14:00 haben wir eine Stadtführung mit einem siebzigjährigen Holländer mit spanischem Vater gemacht, der orthodoxer Jude ist. Er hat uns echt viel rum geführt und wusste unglaublich gut bescheid. So weiß ich jetzt so einiges über das armenische Viertel, dass neben dem arabischen, jüdischen und christlichen ein bischen aus dem Rahmen zu fallen scheint. Die Armenier waren das erste Volk, dass (nahezu) komplett das Christentum übernommen hat. Die Armenier an sich leben sehr zurückgezogen, völlig eingemauert und hinter Stahltühren versteckt. Das ganze geht so weit, dass sie oben an den Mauern extra Glasscherben eingesetzt haben, dass ja keiner in den Innenhof gelangen kann. Die ganzen fünf Stunden konnte man natürlich nicht aufpassen, aber man fühlt sich jetzt nicht mehr so fremd und unwissend in dieser geschichtsträchtigen Stadt.

Am Nachmittag haben wir dann einiges über die politische und demografische Situation Israels, und über Kibbuzim gelernt, um ein gewisses Grundwissen zu haben.

Ansonsten hat heute um 18:00 der Trauertag der Juden begonne, an dem sie dem zerstörten Tempel hinterhertrauern und an der Klagemauer sind. Da waren wir vorhin noch mit ein paar Leuten, haben Fotos gemacht und uns angehört, wie Juden im Kreis saßen und gemeinsam Psalmen gesungen haben.

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