Interessante Begegnungen

2 03 2010

Heute bin ich mit einem neuen Patienten von uns in die Mall gefahren um etwas zu kaufen. Unterwegs habe ich mich mit unserem Fahrer unterhalten. Nachdem es auf der Hinfahrt um Fußball ging kamen wir auf dem Rückweg auf den Nahostkonflikt. Zunächst klagte er, dass gute Musiker nach Deutschland, jedoch nicht nach Israel kämen und drückte aus, dass er gerne in einem anderen Land geboren wäre. Allerdings, so meinte er, sei es nachvollziehbar, dass Israel nicht hoch angesehen ist bei internationalen Stars der Showbranche, ein kleines Land in dem es so viele Probleme gebe.

Im Laufe des Gespräches sagte er einige Dinge, die ich schon häufig gehört habe:

“Nie wird hier Frieden herrschen können. Natürlich habe ich arabische Freunde, hier, hier und auch hier (dabei zeigte er aus dem Fenster). Auf der persönlichen Ebene ist das überhaupt kein Problem, aber tiefgreifender Frieden zwischen den Völkern ist eine Illusion.”

Seiner Meinung nach sind die derzeitigen Machthaber alle viel zu ängstlich um wirklich was zu verändern. Es müsse Politiker geben, die die Araber wirklich als Menschen behandelen, nicht wie Tiere. Sonst sei es auch völlig selbstverständlich, dass sie sich wie ebensolche verhalten und in die Luft sprengen. Allerdings seien die derzeitigen Machthaber viel zu wenig an einer Lösung des Konfliktes interessiert, da dieser sich finanziell sehr positiv auswirke.

Interessiert welche Meinung er zu den USA, den UN (hier häufig als United Nonsens, also Vereinter Blödsinn, bezeichnet) und Obama hatte, fragte ich nach. Die eindeutige Antwort war:

“Obama is just a gimmick.” (Obama ist nur ein Kleinteil in dem Konflikt, das niemand wirklich braucht.)

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Später am Nachmittag, bin ich dann noch für einen unserer Muskelschwundpatienten zur Post gegangen, auf dem Weg hat mich ein Jude zu sich gerufen. Also bin ich zu ihm hingegangen und habe schon überlegt, was er von mir möchte, da es ein ganz normaler Wochentag war (Am Shabbat sprechen Juden ab und zu Goi, also Nichtjuden, an, ob sie ihnen das Licht anmachen könnten o.ä., Ausfühlicheres zum Shabbat hier).

Als ich näher kam fragte er mich, ob ich zehn Minuten Zeit hätte, mit ihm und den anderen acht zu beten. (Im Judentum braucht man zehn Männer um in der Synagoge beten zu können, sie waren nur zu neunt). Ich verstand wie er zu einem der anderen sagte: “Er braucht ja nur Amen zu sagen.” Irritiert von meinen fragenden Gesichtsausdruck fragte er mich ob ich überhaupt jüdisch sei, nachdem ich verneinte, konnte ich weitergehen. Das war auf Grund des Zeitdrucks auch ganz gut so, allerdings war ich doch ein bisschen traurig, weil bestimmt interessant geworden wäre.

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Walter Bingham

12 02 2010

Letztens, hatten wir im Hauskreis mal wieder Besuch von einem Holocaustüberlebenden, der uns jungen deutschen Volontären seine Geschichte in  Deutschland erzählt hat.

Er hieß Walter Bingham und wurde 1924 in Karlsruhe geboren, wo er die ersten gut 15 Jahre seines Lebens verbracht hat, bis er nach England fliehen konnte.

Mich hat es stark beeindruckt, dass er trotz der schlimmen Erfahrungen in seiner Kindheit uns so offen gegenübertreten konnte ohne verbittert zu wirken.

Er hat erzählt, wie schwer es für ihn in der Schule war, da die Lehrer ihn nicht drannahmen oder er schlechtere Noten bekam als der Mitschüler, der von ihm abgeschrieben hatte; jeweils mit der Begründung: „Ein Jude kann gar nicht so viel wissen.“

Im Laufe der Zeit wurde die Schulsituation immer schlechter, in den Pausen wurde er über den Schulhof gehetzt im Unterricht musste er alleine in der letzten Reihe sitzen, da man es den Ariern nicht zumuten konnte neben einem Juden zu sitzen. Zum Schluss wurden die Juden sogar ganz aus der Schule geworfen.

Wie falsch die nationalsozialistische Rassenkunde war, zeigt sich exemplarisch an zwei Geschichten die er erzählt hat: In der Klasse seines Cousins wurde ein blondes Mädchen vom zuständigen Rassekundelehrer vor der Klasse als rein arisch beschrieben. Allerdings war sie jüdisch. Auch seine Mutter – natürlich jüdisch – hat etwas ähnliches erlebt, nämlich meinte ein Offizier, der mit ihr anbandeln wollte, nur an der Hand erklären zu können, wie eindeutig ihre arische Abstammung war.

Am komischsten wurde mir selbst jedoch in den Momenten wo mir unbewusst ein leichtes Lachen rausrutsche, wahrscheinlich weil ich das gehörte nicht wahrhaben und glauben wollte oder konnte: Zum Beispiel dann wenn er selbstverständlich davon erzählte, „Saujude“ genannt worden zu sein oder einen Dolch rumgab, den jeder Junge in der Hitlerjugend erhielt, mit der Aufschrift „Blut und Ehre“. Warum diese Aufschrift? Seine Erklärung begann er mit der damals üblichen Liedzeile “Wenn das Judenblut vom Messer tropft, dann geht’s nochmal so gut”. Je mehr Juden also durch die Klinge verletzt oder umgebracht wurden, desto mehr Ehre bedeutete das für den Träger des Dolches.

Natürlich hat man in der Schule schon vieles über die Shoa gehört, allerdings haben solche persönlichen Erfahrungsberichte immer nochmal einen ganz anderen Einfluss auf mich.

Ich frage mich dann immer wie man in Zukunft mit den grausamen Ereignissen des Holocausts umgehen soll, auf der einen Seite sehe ich die Gefahr, dass man beispielsweise in der Schule, wo die Shoa in großem Umfang behandelt wird, überladen wird mit Informationen und das Thema nicht mehr hören kann. Auf der anderen Seite merke ich aber, wie eindeutig Zeitzeugenberichte festhalten, dass es schrecklich ist, was, vor allem mit dem jüdischen Volk, natürlich aber auch mit anderen Minderheiten, passiert ist und man darauf achten dass so etwas nie wieder passiert.

Abschließen möchte ich diesen Eintrag mit einem Zitat, dass Walter Bingham angebracht hat:

„For evil to succeed, it needs good people to do nothing.“ („Schlechtes kann sich nur durchsetzen, wenn gute Menschen nichts dagegen unternehmen.“)

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Video über meine Einrichtung

2 02 2010

Philip hat heute ein Video über das מעון נכים גילו (Maon Nachim Gilo – Behindertenheim Gilo) bei YouTube gefunden, das einen kleinen Einblick davon gibt, wo ich hier in Israel arbeite. Allerdings ist es nur auf hebräisch, aber so hört ihr auch mal, wie die Sprache klingt, mit der ich mich hier mehr oder weniger gut verständige:

Edit: In dem Video sind unter anderem die ehemalige Chef-Krankenschwester des Behindertenheims, der Verantwortliche für den Pool (in dem die Behinderten mit Hilfe schwimmen können um ihre Beweglichkeit zu fördern bzw. zu erhalten), die Haupt-Physiotherapeutin, die Frau, die für die Tiertherapie zuständig ist, und der Manager zu sehen.

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Judentum und Shabbat

3 01 2010

Ein zentraler Bestandteil des Judentums ist der Shabbat, ein Tag in der Woche, an dem man komplett ruht und der auch trotz seiner Regelmäßigkeit der höchste Feiertag der Religion ist. Hier in Israel kann man diesen Tag nicht übersehen; anders als am deutschen Sonntag, fahren zumindest in Jerusalem keine Busse, Läden sind geschlossen. Dies wird umgesetzt, obwohl längst nicht alle Menschen die hier leben jüdisch sind (etwa 75% der Israelis sind jüdischer Abstammung, als religiös bezeichnet sich von dieser Gruppe aber nur ein Drittel). Um die 20% der Bevölkerung sind arabisch, die den Shabbat in ihren Gebieten natürlich nicht einhalten müssen, aber auf öffentlichen Plätzen bleibt ihnen allerdings auch nichts anderes übrig.

Für den Shabbat gibt es unterschiedliche Begründungen, unter anderem, dass – laut der Überlieferung der Schöfpungsgeschichte – Gott in sechs Tagen die Welt erschaffen, am siebten Tag jedoch geruht hat, dass Gott Israel aus Ägypten in das Land geführt hat, in dem sie auch heute wieder leben oder auch als Ruhepause um neue Kraft für die Arbeit zu sammeln.

Das Arbeitsverbot, das mit dem Shabbat einhergeht ist heutzutage durch den Talmud, der zweitwichtigsten jüdischen Schrift ziemlich eindeutig festgelegt. So darf man kein Feuer anzünden, nichts verdienen (religiösen Juden fassen am Shabbat nicht einmal Geld an), keine Werkzeuge verwenden und auch nicht schreiben. Eine interessante Angelegenheit ist auch der sogenannte Shabbatfahrstuhl: Da das Drücken von Knöpfen als Arbeit gilt, gibt es Aufzüge, die grundsätzlich auf jedem Stockwerk für einige Minuten halten, damit man ein- und aussteigen kann, ohne den Feiertag zu missachten.

Juden dürfen beispielsweises auch keine anderen Menschen zur Arbeit auffordern, da sie sich nicht ganz sicher sein können, ob der andere jüdisch ist, oder nicht. Deswegen fragen meine religiösen Behinderten mich am Shabbat nicht, ob ich das Licht anmachen könne, sondern sagen: “Es ist so dunkel im Raum.”

Die grundlegende Entscheidungsregel zur Bestimmung, was erlaubt ist und was nicht, lautet im Judentum, ob etwas neues geschaffen wird, oder nicht.

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Letztens waren Philip, Sara und ich an einem Samstag an der Altstadt, bevor wir zur Gemeinde gegangen sind. Während wir zum Damaskustor liefen, sind wir an einer Demonstration Ultra-Orthodoxer Juden vorbei gekommen:

Die Menge setzte sich dafür ein, dass der Shabbat in ganz Jerusalem so praktiziert wird, wie in den ultra-orthodoxen Vierteln (Dazu gehört beispielsweise, dass in der ganzen Stadt kein Auto fahren solle) und untermauerte ihr Anliegen durch laute „Shabbes“-Rufe, was jiddisch ist und Shabbat heißt.

In dem Moment habe ich mich wieder einmal gewundert, wieso die Juden sich möglichst genau an das Gesetz, zu halten versuchen, und dazu jeden kleinsten Wortlaut umsetzten; gleichzeitig jedoch den Sinn des Gesetzes – zumindest aus meiner Perspektive – völlig außer Acht lassen, indem sie auf der Straße stehen und Rabatz machen. Ich verstehe den Shabbat als ein Aufforderung Gottes als Mensch zur Ruhe zu kommen.

Im nächsten Augenblick hab ich dann aber gedacht, wie engstirnig es ist, die andere Religion innerlich zu kritisieren, weil sie Sachen nicht so versteht wie ich, und ich bin mir sicher, dass es auch in dem, was wir als Christen machen, vieles gibt, wo Andere nur den Kopf drüber schütteln können, da es am Sinn vorbeizugehen scheint. Ich hoffe, dass ich die Augen offen halten kann für solche Dinge und feste Grundsätze nicht ungefragt übernehme, weil man es nun mal so macht.

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Übrigens: Frohes Neues!

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Weihnachtsbaum

23 12 2009

Weihnachten rückt immer dichter und ich kann mir vorstellen, dass man in Deutschland an diesem Fest nicht vorbeikommt. Das ist hier in Israel ganz anders, wo der Großteil der Bevölkerung jüdisch oder muslimisch ist, weswegen den christlichen Feiertagen kaum Beachtung geschenkt wird.

Man kann das Gedenken an die Geburt Jesu also auch mal ohne den ganzen Trubel begehen, ohne die westlichen Traditionen, die im Laufe der Zeit an Weihnachten rangedichtet wurden. Dies hat natürlich Vorteile, aber irgendwie hat man sich auch daran gewöhnt, dass Weihnachten in Deutschland noch viel mehr ist, viel mehr Kultur sich zusätzlich entwickelt hat und ein fester Bestandteil des Festes ist. Und so haben wir es uns als Volontärs-WG nicht nehmen lassen, ein bisschen europäische Weihnachtsstimmung in unsere Wohnung zu holen, indem wir letztens einen Weihnachtsbaum geschlagen haben (Keine Angst, er hat die Backpfeife verkraftet ;-) ), der jetzt, wo er so schön geschmückt ist, unser Zuhause weihnachtlicher und gemütlicher macht:

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Band of Brothers

21 12 2009

Nachdem ich am Samstag die Frühschicht gearbeitet hatte und Philip, Sara und ich in der Gemeinde waren, haben wir uns zu fünft (Eric, David, Stefan, Phil und ich) “Band of Brothers” angekuckt. Band of Brothers ist eine amerikanische Miniserie in 10 Teilen, die etwa eine Stunde gehen, und spielt im zweiten Weltkrieg.

Wir haben um 9 Uhr angefangen, allerdings haben nur Phil und ich es bis zum Ende geschafft. David hat am nächsten Tag nämlich die Frühschicht gearbeitet, weswegen er nach Folge 6 schlafen gegangen ist, Phil hatte nicht so anstrengende Arbeit vor sich, und Eric, Stefan und ich hatten frei bzw. erwartete uns eine Spätschicht, zumindest mich. Trotzdem waren die beiden so müde, dass sie irgendwo in der Mitte angefangen haben zu dösen bis sie ganz eingeschlafen sind. So ganz haben wir es also nicht geschafft im Sinne des Films brüderlich zusammen zu halten.

Am nächsten Tag, hat dann um 7:15, während der letzten Folge, die Vizechefin angerufen und gefragt, ob ich arbeiten könne da ein Arbeiter spontan ausgefallen war und keiner so schnell kommen. Also habe ich 8 Stunden mehr müde als wach auf dem Flur verbracht um mich dann nach der Schicht eine dreiviertel Stunde ins Bett zu legen, und voller Vorfreude Werder-Hamburg zu kucken, was für mich als gebürtiger Hamburger, der in Bremen aufgewachsen ist, immer wieder ein Highlight ist. Leider war der Ausgang des Spiels ein bisschen bitter.

Gestern Nacht war es dann wirklich schön, nach 41 Stunden, in denen ich etwa 45 Minuten geschlafen hatte, ins Bett zu gehen.

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tck tck tck – time for climate justice

7 12 2009

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Heute beginnt der Weltklimagipfel in Kopenhagen. Dazu empfehle ich folgendes Video:

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Nahostkonflikt

19 11 2009

Gestern haben die ZEITtagesschau.de und spiegel.de über das Vorhaben der israelischen Regierung berichtet, in Gilo, nahe Jerusalem, neue Wohnungen zu bauen, sowie die Kritik der USA und der UN daran beschrieben.

Gilo wurde im Zuge des 6-Tage-Krieges von 1967 von Israel erobert und wird seitdem von israelischer Seite als Vorort Jerusalems verstanden. Die internationale Staatengemeinschaft kennt diesen Status Gilos aber größtenteils nicht an und spricht von illegalem Siedlungsbau auf arabischem Boden.

Der amerikanische Präsident Barack Obama, sowie der Generalsekretär der Vereinten Nationen (UN) Ban Ki Moon, kritisierten das Bauvorhaben stark und sehen die von ihnen angestrebte Zwei-Staaten-Lösung in Gefahr. Israelische Vertreter dagegen meinten, dass Gilo ein wichtiger Bestandteil Jerusalems sei, den man deswegen gleichwertig wie Tel Aviv oder auch Haifa behandele, wo neue Wohnungen auch nicht auf Kritik stoßen würden.

Besondere Brisanz erhält die Angelegenheit dadurch, dass ich genau in besagtem Gilo arbeite und wohne. Einerseits arbeite ich fast nur mit Arabern zusammen und habe schon mehrfach gehört, dass man hier in Gilo selbstverständlich davon ausgeht, dass diese Ortschaft im Falle einer Teilung Israels zu Palästina gehören wird. Andererseits ist Gilo so eng an Jerusalem angeschlossen (Beispielsweise in Bezug auf das Verkehrsnetz), dass man sich hier nicht so fühlt, als wohne man in einem Vorort oder sogar in einer offiziell als illegal bezeichneten jüdischen Siedlung. Außerdem wäre Gilo im Falle einer kriegerischen Auseinandersetzung zwischen Palästina und Israel von hoher strategischer Bedeutung, da es erhöht liegt, und man von hier aus ganz Jerusalem überblicken kann, wie man beispielsweise an diesem, auf unserer Dachterasse enstandenen, Bild sehen kann:

Jerusalem bei Nacht
Jerusalem bei Nacht

Alles in allem denke ich, dass die Kompliziertheit der Lage ein bisschen deutlich geworden ist. Das Spannungsverhältnis, zwischen offiziellen Einteilungen, à la 67er-Linie und tatsächlicher Lebenswirklichkeit ist nicht so einfach aufzulösen, wie man (auch ich), das aus europäischer Sicht vielleicht so denkt. Falls es hier in der Region wirklich einmal tiefgreifenderen Frieden als zum jetzigen Zeitpunkt geben sollte, müssen meiner Meinung nach noch viele Schritte gegangen werden.

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Erfreuliches und Ärgerliches

17 11 2009

Gestern hatten Thomy und Thorschten Geburtstag. In diesen haben wir mitten in Jerusalem in einem verlassenen Araberdorf in einer Ruine rein gefeiert. Wir als WG haben uns alle extra den Tag danach frei genommen, damit wir keinen Stress haben und weil wir noch in eine Tropfsteinhöhle fahren wollten.

Bevor wir uns dann gegen sechs auf den Weg gemacht haben, mussten wir noch die Informationen zu der Höhle ausdrucken und sind dazu in den Computerraum vom Maon (deutsch= Heim) gegangen, wo mich ein Typ angesprochen hat, den ich nicht kannte. Er war aus Amerika und kannte einen „unserer“ Behinderten. Begeistert davon, dass wir als Deutsche für ein Jahr in Israel sind und mit Behinderten arbeiten, hat er uns gefragt, ob er mal mit uns Pizza essen gehen kann, hat aber gesehen, dass wir wegwollen (zum Geburtstag) und uns dann einfach Geld gegeben, damit wir selbst mal was Schönes machen können neben der Arbeit (200 Schekel, das sind etwa 40 Euro). Großartig. Unglaublich.

Nach dieser tollen Begegnung sind wir schnell zum Bus gelaufen, um zur Central Bus Station zu fahren. Da meine Kopfhörer zwei Tage zuvor endgültig ihren Geist aufgegeben haben, hab ich mir dort neue gekauft, die auch nicht ganz billig waren. Ich hab sie allerdings noch nicht sofort ausprobiert, um „den Moment“ mehr genießen zu können. ;-)

Die Ruine, in der dann die Feier war, war auch wirklich überraschend, einmal, weil sie fast direkt an den großen Straßen lag, aber trotzdem alles ruhig war, und auch, weil es sehr gemütlich war, mit Überdachung und Lagerfeuer, also hatten sich die Sorgen um den Tod durch Erfrieren schnell wieder zerschlagen. Dort haben Philip, Johannes und ich uns dann von Hagen, unserem Foto-Experten, nochmal erklären lassen, was ein gutes Foto ausmacht bzw. beeinflusst. Mit den neuen Erkenntnissen, habe ich mich dann mal bemüht ein schönes Foto vom Feuer zu machen, und zwar nicht im Automatikmodus. Herausgekommen ist unter anderem dieses, das jetzt auch mein neuer Desktophintergrund ist:

Am nächsten Mittag haben wir, also meine WG-Kollegen David, Johannes und Philip, sowie Rahel und Hendrik aus einem Altenheim in Petach Tikvah, uns auf den Weg nach Beit Schemesch gemacht, dem Ort, wo die Tropfsteinhöhle ist. Nach einiger Fahrtzeit, hat uns der Busfahrer einen Hinweis gegeben, dass wir aussteigen müssen. So standen wir dann da. Ohne Plan, wohin wir gehen sollten. Ohne Hinweisschilder. Nach einiger Fragerei, hatten wir eine grobe Richtung erfahren, waren uns aber nicht wirklich sicher, ob wir richtig waren. Also haben wir ein Taxi angehalten, dessen Fahrer uns sagte, dass es 20 Autominuten wären. Pro Taxi (wir brauchten 2) sollten wir 50 Schekel (10 Euro) bezahlen. Und da wir die Höhle nun mal sehen wollten, aber keine Zeit mehr hatten, da die Höhle in kurzer Zeit zumachen sollte, haben wir uns entschieden, die Taxis zu nehmen. Was auch eine gute Entscheidung war, da wir ewig gelaufen wären. Bergauf. Froh, das Geld investiert zu haben, sind wir dann an dem Nationalpark angekommen, um dort dann zu erfahren, dass wir zu spät sind. Es war zehn nach drei, und der Einlassschluss ist um drei, wobei der Park noch bis um vier offen hat. Alle Versuche zu erklären, dass wir rechtzeitig bis um vier wieder draußen wären, haben nicht funktioniert. Nicht mal das Volontärsargument (Wenig Zeit und Geld) hat gezogen. Ärgerlich. So haben wir die Taxis wieder zurückbestellt und uns für weitere 100 Schekel zu einer Bushaltestelle fahren lassen. Während wir gewartet haben, ist die Sonne untergangen (um halb fünf), weswegen ich nochmal meine Kamera mehr ausprobiert habe:

Als wir dann alle endlich im Bus saßen, müde, von dem ständig unterwegs sein, war der Moment gekommen, die Kopfhörer zu nutzen. Erst mal musste ich ewig die Gummiaufzüge umfriemeln (da mir die mittleren zu groß sind), konnte dann doch aber endlich wieder Musik hören, und zwar Stereo. ;-) (Vorher hatte ich lange Zeit nur einen funktionierenden Kopfhörer). Mit der Zeit, merkte ich aber, dass der Ton ab und zu aussetzte, wenn ich an den Stecker kam. Mist, dachte ich, Kabelbruch. Verärgert bin ich zurück an der Central Bus in Jerusalem zu dem Laden gegangen, wo ich sie gekauft hatte, aber der Verkäufer meinte, dass sie ok wären und das Problem wahrscheinlich an meinem mp3-Player liege. Und er hatte Recht, meine Kopfhörerbuchse ist ausgeleiert und führt zu den Tonaussetzern. Doof, doof. Allerdings, habe ich herausgefunden, dass ich wohl nur den Stecker in der Buchse drehen muss und bei gewissen Positionen geht’s. Hoffentlich bleibt das so, dass es immerhin manchmal geht.

Völlig verschwitzt und verdreckt von dem Feuer und der Fahrt, haben sich alle auf die Dusche zu Hause gefreut. Doch damit war nichts, wir hatten nur kaltes Wasser. Der Hausmeister meinte, unser Boiler sei kaputt, und der Grund dafür, dass wir häufig Stromausfälle haben (innerhalb von zwei Wochen bestimmt 20 Mal), weshalb wir das Wasser mit der Zentralheizung wärmen sollten. Haben wir gemacht. 30 Minuten gewartet und das Wasser war immer noch kalt. Entnervt haben wir den Boiler wieder angemacht, aber 3 Minuten später war der Strom auch schon weg. Also haben wir im Endeffekt im Maon geduscht, also nebenan. Das war auch alles ziemlich provisorisch, mancher hatte kein Licht, mancher keinen Duschkop, einer konnte den Raum nicht abschließen.

Frisch geduscht sind wir dann zu Burger’s Bar gegangen, um gut zu essen. Das Geld, das der amerikanische Jude uns gegeben hat wurde gleich genutzt und der Tag fand ein versöhnliches Ende.

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Freude

3 11 2009

Paket

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