Holocaustgedenktag – יום השואה

13 04 2010

Gestern war in Israel der יום השואה (Jom HaShoa), also der nationale Holocaustgedenktag.

Morgens wurden deswegen in der Gedenkstätte Yad VaShem Kränze niedergelegt. Da auch unsere Organisation vertreten war, bin ich dort gewesen. Zunächst gab es strengere Sicherheitskontrollen als üblich: Meine Tasche wurde zweimal durchleuchtet, ich bin durch einen Metalldetektor gegangen, wurde gefragt wie lange ich schon im Land sei, was ich hier mache und ob ich Waffen dabei hätte und meine Hände wurde darauf geprüft, ob ich in letzter Zeit mit Sprengstoff zu tun hatte.

Nach zwei Schweigeminuten um zehn Uhr, die im ganzen Land begangen wurden (sogar im Straßenverkehr), begann die Zeremonie:

Sechs Feuer, jeder für eine Million ermodete Juden
Sechs Feuer, jeder für eine Million ermodete Juden
Präsident Shimon Peres
Präsident Shimon Peres
Ministerpräsident Benjamin "Bibi" Netanjahu
Ministerpräsident Benjamin "Bibi" Netanjahu
Mitglieder der Organisation für Veranen, Partisanen und Verwundete im Aufbegehren gegen Nazis
Mitglieder der Organisation für Veranen, Partisanen und Verwundete im Aufbegehren gegen Nazis
104 Kränze
104 Kränze

(Bilder von www.yadvashem.org/)

Etwas irritiert hat mich, dass, soweit ich es verstanden habe, vielleicht fünf der 104 Kränze aus Deutschland waren, die auch fast alle von Volontärsorganisationen. Neben den wichtigsten Menschen des israelischen Staates, hätte ich eigentlich den deutschen Botschafter, wenigstens aber einen offiziellen deutschen Vertreter erwartet. War aber niemand da.

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Walter Bingham

12 02 2010

Letztens, hatten wir im Hauskreis mal wieder Besuch von einem Holocaustüberlebenden, der uns jungen deutschen Volontären seine Geschichte in  Deutschland erzählt hat.

Er hieß Walter Bingham und wurde 1924 in Karlsruhe geboren, wo er die ersten gut 15 Jahre seines Lebens verbracht hat, bis er nach England fliehen konnte.

Mich hat es stark beeindruckt, dass er trotz der schlimmen Erfahrungen in seiner Kindheit uns so offen gegenübertreten konnte ohne verbittert zu wirken.

Er hat erzählt, wie schwer es für ihn in der Schule war, da die Lehrer ihn nicht drannahmen oder er schlechtere Noten bekam als der Mitschüler, der von ihm abgeschrieben hatte; jeweils mit der Begründung: „Ein Jude kann gar nicht so viel wissen.“

Im Laufe der Zeit wurde die Schulsituation immer schlechter, in den Pausen wurde er über den Schulhof gehetzt im Unterricht musste er alleine in der letzten Reihe sitzen, da man es den Ariern nicht zumuten konnte neben einem Juden zu sitzen. Zum Schluss wurden die Juden sogar ganz aus der Schule geworfen.

Wie falsch die nationalsozialistische Rassenkunde war, zeigt sich exemplarisch an zwei Geschichten die er erzählt hat: In der Klasse seines Cousins wurde ein blondes Mädchen vom zuständigen Rassekundelehrer vor der Klasse als rein arisch beschrieben. Allerdings war sie jüdisch. Auch seine Mutter – natürlich jüdisch – hat etwas ähnliches erlebt, nämlich meinte ein Offizier, der mit ihr anbandeln wollte, nur an der Hand erklären zu können, wie eindeutig ihre arische Abstammung war.

Am komischsten wurde mir selbst jedoch in den Momenten wo mir unbewusst ein leichtes Lachen rausrutsche, wahrscheinlich weil ich das gehörte nicht wahrhaben und glauben wollte oder konnte: Zum Beispiel dann wenn er selbstverständlich davon erzählte, „Saujude“ genannt worden zu sein oder einen Dolch rumgab, den jeder Junge in der Hitlerjugend erhielt, mit der Aufschrift „Blut und Ehre“. Warum diese Aufschrift? Seine Erklärung begann er mit der damals üblichen Liedzeile “Wenn das Judenblut vom Messer tropft, dann geht’s nochmal so gut”. Je mehr Juden also durch die Klinge verletzt oder umgebracht wurden, desto mehr Ehre bedeutete das für den Träger des Dolches.

Natürlich hat man in der Schule schon vieles über die Shoa gehört, allerdings haben solche persönlichen Erfahrungsberichte immer nochmal einen ganz anderen Einfluss auf mich.

Ich frage mich dann immer wie man in Zukunft mit den grausamen Ereignissen des Holocausts umgehen soll, auf der einen Seite sehe ich die Gefahr, dass man beispielsweise in der Schule, wo die Shoa in großem Umfang behandelt wird, überladen wird mit Informationen und das Thema nicht mehr hören kann. Auf der anderen Seite merke ich aber, wie eindeutig Zeitzeugenberichte festhalten, dass es schrecklich ist, was, vor allem mit dem jüdischen Volk, natürlich aber auch mit anderen Minderheiten, passiert ist und man darauf achten dass so etwas nie wieder passiert.

Abschließen möchte ich diesen Eintrag mit einem Zitat, dass Walter Bingham angebracht hat:

„For evil to succeed, it needs good people to do nothing.“ („Schlechtes kann sich nur durchsetzen, wenn gute Menschen nichts dagegen unternehmen.“)

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Yad Vashem

30 07 2009

Am heutigen Tag haben wir uns – passend zum israelischen Trauertag – mit dem Holocaust beschäftigt.

Morgens haben wir dazu die weltweit größte Gedenkstätte Yad Vashem besucht. Dort haben wir eine Führung erhalten und wurden über weitere Hintergründe informiert, die mit einigen Geschichten angereichert waren, sodass man – trotz vielen Geschichtsunterrichts – nochmal neu an die Sache rangehen konnte und neue Perspektiven erhalten hat. Das ganze war mitunter sehr bedrückend, da man als Deutscher natürlich sehr betroffen ist, auch wenn man selbst keinen Juden getötet oder boykottiert oder anderweitig diskriminiert hat, sich aber schon in gewisser Weise verantwortlich und schuldig fühlt.

Einige Volontäre vor dem Eingang von Yad Vashem
Einige Volontäre vor dem Eingang von Yad Vashem
Führung in Yad Vashem
Führung in Yad Vashem
Blick über Jerusalem von Yad Vashem aus
Blick über Jerusalem von Yad Vashem aus
Pause in Yad Vashem
Pause in Yad Vashem

Abends hatten wir dann hier im Paulus-Haus, wo das Einführungsseminar stattfindet, Besuch von einer Holocaust-Überlebenden, die viel Leid mitgemacht hat, aber mit ihren 86 Jahren noch sehr fit ist, und ihre Geschichte weitererzählt, um Andere aufmerksam zu machen und mitzuhelfen, dass so etwas Schreckliches nicht nochmal passiert.

Themawechsel:

Nachmittags hatten wir noch etwas freie Zeit, in der wir in der Altstadt waren. Wir Juns wollten uns alles Kopfbedeckungen kaufen, und haben dann coole Strohhüte gefunden. Wir dachten den Verkäufer von 60 auf 26 Schekel runterzuhandeln, wäre ein guter Erfolg, aber da haben wir die Rechnung ohne den Araber gemacht, da wir am nächsten Laden erfahren haben, dass man die Strohhüte auch für 10 Schekel hätte bekommen können, da sie etwa 5 Schekel im Einkauf kosten, wobei sogar das wahrscheinlich noch gelogen war. Apropos Schekel, 1€ sind etwa 5,5 Schekel.

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