Flughafen

27 07 2010

Die erste Hälfte meines Rückreisemarathons liegt hinter mir. Gestern Nachmittag habe ich die Wohnung verlassen und bin nach Ashdod gefahren (Dem Ort, wohin die Gaza-Flotte umgeleitet werden sollte), wo es eine Geburtstagsfeier von und für Thamar, Klaus und Christian gab. Gefeiert wurde in einer Ruine.

Philip und ich hatten beide schon unsere je zwei Koffer dabei und ich bin immer noch dankbar für die Hilfsbereitschaft der anderen, dass wir sie nicht komplett alleine tragen mussten. Angekommen in Ashdod sind wir erstmal in das unglaublich warme Wasser gegangen; danach haben wir gegrillt. Sehr schön war, dass ich durch die Feier fast alle Volontäre nochmal gesehen habe und mich verabschieden konnte.

Am frühen Morgen sind wir mit einigen Leuten weiter nach Tel Aviv zum Strand gefahren. Dort hieß es dann Abschied von Philip meinem lieben WG-Kollegen zu nehmen, der am Nachmittag geflogen ist. Allerdings sehen wir uns in anderthalb Wochen schon wieder. Am Strand konnte ich dann einigen neuen Volontären nochmal kurz Hallo sagen, die in gut zehn Stunden mit dem Einführungsseminar in ihre Zeit in Israel starten werden.

Den Abend habe ich dann bei den Altenheim-Volos in Petach Tikvah verbracht, wo mich, nach gemeinsamem Essen und Hauskreis, um Mitternacht mein Taxi abgeholt hat. Am Flughafen angekommen wurde ich dann innerhalb von einer halben Stunde durchgecheckt, komplett mit Befragung und Gepäckdurchleuchtung. Anscheinend waren meine Antworten auf die Fragen (u. a. Was hast du hier gemacht? Wie war dein Tagesablauf? Warst du bei Fremden zu Hause? Bist du rumgereist? Wer hat die Reisen geplant?) so harmlos, dass meine Koffer nichteinmal geöffnet wurden. Vermutlich habe ich damit einen neuen Hagoshrim-Rekord aufgestellt, bei Philip zum Beispiel hat dieselbe Prozedur nämlich an die fünf Stunden gedauert, mit mehrfachem Koffer Durchsuchen.

Nachdem ich noch 70 Minuten am Check-in-Schalter warten musste, sitze ich mittlerweile in der Abflughalle und warte noch anderthalb Stunden bis der Flug geht.

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Zu den Vorfällen bei Gaza

2 06 2010

In den letzten Tagen wurde hier in Israel viel diskutiert über die Vorfälle der Free Gaza-Aktion. Ich selbst habe zwar mitgekriegt, dass in Fernsehen und Radio über das Thema gesprochen wurde,was genau gesagt wurde, war aber schwierig zu verstehen. Am Tag des Vorfalls haben die drei großen israelischen Fernsehsender fast rund um die Uhr berichtet und auch im Radio schien weniger Musik gespielt zu werden.

Ich selbst habe mich dann hauptsächlich bei den Bewohner des Behindertenheims umgehört, was ihre Meinung ist. Unter anderem wurde folgendes gesagt:

D. behauptete, man hätte die Schiffe einfach durchfahren lassen sollen. Er hätte so gehandelt. Angesprochen auf die israelischen Medien meinte er allerdings, “die sind noch linker als ich, [...] und lieben die Palästinenser”.

M. und Y. vertraten die Meinung, dass die Aktivisten selbst schuld seien, an dem, was passiert sei, da Israel ausgiebig gewarnt hätte. Allerdings vermutete M. dass es schlauer gewesen wäre, die Schiffe erst in israelischen Gewässern zu kapern, weil das noch zu einem großen Problem werden könnte, dass Israel in internationalen Gewässern agiert hat.

Alle drei erzählten übrigens, egal ob sie jetzt eher politisch links oder rechts einzuordnen sind, dass sie den Premierministier “Bibi”, Benjamin Netanjahu, nicht mögen.

Der für die Volontäre zuständige Sozialarbeiter meinte heute morgen bei unserem wöchentlichen Treffen, dass die Aktion ein sehr schlechtes Licht auf Israel werfe und man schlauer hätte vorgehen sollen, indem man die Aktivisten betäubt oder mit mehr Soldaten angegriffen hätte.

Vor etwas längerer Zeit hat sich ein arabischer Arbeiter von uns insofern geäußert, dass er die Hamas der Fatah deswegen vorziehen würde, weil die Hamas in seinen Augen wenigstens nicht korrupt sei. Er selbst ist Mitte fünfzig und arabischer Israeli.

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Ich persönlich kann es nicht nachvollziehen, warum die Proteste gegen Israel so stark sind, da man mehrfach angekündigt hatte, die Blockade des Gazastreifens aufrechtzuerhalten, der übrigens von Israel und Ägypten abgegrenzt wurde. Im Januar war ich in Sderot, einem israelischen Ort nahe Gaza und habe mich dort mit einem Soldaten unterhalten. Seiner Aussage zu Folge, sind vor einigen Jahren noch etwa 20 Raketen täglich in das Kibbuz geflogen, in dem er wohnt, seit dem Rückzug aus dem Gebiet und dem Gazakrieg vor knapp anderhalb Jahren, habe sich die Zahl auf 2 Raketen wöchentlich verringert.

Nachdem nun also feststand, das an dieser Position nichts geändert werden würde, hat man angeboten, die Ladungen in Ashdod, einem wenige Kilometer entfernten Hafen, zu löschen und auf dem Landweg nach Gaza zu bringen. Man hatte sich auch schon auf diesen Fall eingestellt und ein Auffanglager vorbereitet. Der Vorschlag wurde von den Aktivisten allerdings mit der Begründung abgelehnt, die Schiffe seien ausreichend auf Waffen kontrolliert worden.

Dies finde ich allerdings schwer nachvollziehbar, wenn man sich die folgenden Videos anschaut:

Von oben:

Von der Seite:

Von einem Aktivisten:

Im Rückblick scheint die ganze Aktion nur darauf ausgelegt gewesen zu sein, einen israelischen Fehler zu provozieren, damit, dass jetzt neun Menschen gestorben sind, hat man aber sicherlich nicht gerechnet. Israel selbst kann man meiner Meinung nach den Vorwurf machen, dass die Intervention schlecht geplant gewesen ist, und man intelligenter hätte vorgehen können. Dass man mutwillig Menschen umbringen wollte, kann ich allerdings nicht nachvollziehen. Da würde ich persönlich viel eher den Begriff Friedensaktivist hinterfragen.

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Holocaustgedenktag – יום השואה

13 04 2010

Gestern war in Israel der יום השואה (Jom HaShoa), also der nationale Holocaustgedenktag.

Morgens wurden deswegen in der Gedenkstätte Yad VaShem Kränze niedergelegt. Da auch unsere Organisation vertreten war, bin ich dort gewesen. Zunächst gab es strengere Sicherheitskontrollen als üblich: Meine Tasche wurde zweimal durchleuchtet, ich bin durch einen Metalldetektor gegangen, wurde gefragt wie lange ich schon im Land sei, was ich hier mache und ob ich Waffen dabei hätte und meine Hände wurde darauf geprüft, ob ich in letzter Zeit mit Sprengstoff zu tun hatte.

Nach zwei Schweigeminuten um zehn Uhr, die im ganzen Land begangen wurden (sogar im Straßenverkehr), begann die Zeremonie:

Sechs Feuer, jeder für eine Million ermodete Juden
Sechs Feuer, jeder für eine Million ermodete Juden
Präsident Shimon Peres
Präsident Shimon Peres
Ministerpräsident Benjamin "Bibi" Netanjahu
Ministerpräsident Benjamin "Bibi" Netanjahu
Mitglieder der Organisation für Veranen, Partisanen und Verwundete im Aufbegehren gegen Nazis
Mitglieder der Organisation für Veranen, Partisanen und Verwundete im Aufbegehren gegen Nazis
104 Kränze
104 Kränze

(Bilder von www.yadvashem.org/)

Etwas irritiert hat mich, dass, soweit ich es verstanden habe, vielleicht fünf der 104 Kränze aus Deutschland waren, die auch fast alle von Volontärsorganisationen. Neben den wichtigsten Menschen des israelischen Staates, hätte ich eigentlich den deutschen Botschafter, wenigstens aber einen offiziellen deutschen Vertreter erwartet. War aber niemand da.

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Israel kurzgefasst – Überblick

10 04 2010

Gestern ist mir eine neue Veröffentlichung der Bundeszentrale für politische Bildung aufgefallen.

Das Heft ist von einer ZEIT-Autorin verfasst, die 16 Jahre in Israel lebt. Das was ich bisher gelesen habe erschien mir sehr objektiv und hilfreich.

Jeder, der sich genauer über gewisse Themenbereiche bezüglich des Landes, in dem ich lebe, informieren möchte findet hier eine kostenlose pdf-Version und die Möglichkeit das Büchlein zu bestellen:

http://www.bpb.de/publikationen/E48JUT,0,Israel_kurzgefasst.html

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Zu viele Gedanken – Kurze Zusammenfassung

31 03 2010

In letzter Zeit gab es auf diesem meinem Blog eher wenige Beiträge. Das liegt wahrscheinlich daran, dass mein Leben derzeit so rastlos ist. Sobald ich von einem Ausflug zurückkomme, bin ich erledigt, und möchte meine Gedanken sammeln, ehe ich mich versehen habe, bin ich aber schon wieder woanders, und dieses Dilemma fängt wieder und wieder von vorne an.

Trotzdem hier mal eine kleine Zusammenfassung:

  • Anfang März bin ich mit 5 Mitvolontären nach Ägypten nach Dahab auf der Sinai-Halbinsel gefahren. Dort haben wir die Zeit genutzt, um Quad zu fahren, auf Pferden und Kamelen zu reiten, uns mit Schnorchel, Maske und Flossen die Korallen anzuschauen, günstig und unkoscher zu essen, …
  • Eine gute Woche später hatte ich dann schon ein Wochenendseminar in Haifa. Nachdem ich vorher zusammen mit vielen Anderen noch zum ersten Mal Paintball gespielt habe, befassten wir uns vor allem mit verschiedenen Strömungen des Judentums.
  • Direkt vom Seminar holte meine Familie (Opa, Mama, Papa & Schwester) mich schon ab. Innerhalb einer Woche konnte ich ihnen vieles vom Land zeigen und einen guten Einblick geben, wo und wie ich hier lebe. Unter anderem waren wir in Haifa, Akko, am See Genezareth, in Jerusalem, am Toten Meer, in Beer Sheva und Latrun.
  • Nach einem kurzen Tag der Erholung ging es vorgestern nach Tiberias am See Genezareth, auf einen Trip mit unseren Behinderten. Dieser kurze Urlaub war für die Behinderten, die währen des Passah-Festes nicht nach Hause zu ihren Familien fahren konnten organisiert.

Vorhin sind wir davon zurückgekommen. Und ich tippe noch schnell diesen Eintrag, damit ich nicht schon wieder unterwegs bin, wenn ich denke meine Gedanken ausreichen geordnet zu haben. Am Sonntag fahren ich nämlich schon wieder für drei Tage mit einem Behinderten zu seiner Familie.

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Interessante Begegnungen

2 03 2010

Heute bin ich mit einem neuen Patienten von uns in die Mall gefahren um etwas zu kaufen. Unterwegs habe ich mich mit unserem Fahrer unterhalten. Nachdem es auf der Hinfahrt um Fußball ging kamen wir auf dem Rückweg auf den Nahostkonflikt. Zunächst klagte er, dass gute Musiker nach Deutschland, jedoch nicht nach Israel kämen und drückte aus, dass er gerne in einem anderen Land geboren wäre. Allerdings, so meinte er, sei es nachvollziehbar, dass Israel nicht hoch angesehen ist bei internationalen Stars der Showbranche, ein kleines Land in dem es so viele Probleme gebe.

Im Laufe des Gespräches sagte er einige Dinge, die ich schon häufig gehört habe:

“Nie wird hier Frieden herrschen können. Natürlich habe ich arabische Freunde, hier, hier und auch hier (dabei zeigte er aus dem Fenster). Auf der persönlichen Ebene ist das überhaupt kein Problem, aber tiefgreifender Frieden zwischen den Völkern ist eine Illusion.”

Seiner Meinung nach sind die derzeitigen Machthaber alle viel zu ängstlich um wirklich was zu verändern. Es müsse Politiker geben, die die Araber wirklich als Menschen behandelen, nicht wie Tiere. Sonst sei es auch völlig selbstverständlich, dass sie sich wie ebensolche verhalten und in die Luft sprengen. Allerdings seien die derzeitigen Machthaber viel zu wenig an einer Lösung des Konfliktes interessiert, da dieser sich finanziell sehr positiv auswirke.

Interessiert welche Meinung er zu den USA, den UN (hier häufig als United Nonsens, also Vereinter Blödsinn, bezeichnet) und Obama hatte, fragte ich nach. Die eindeutige Antwort war:

“Obama is just a gimmick.” (Obama ist nur ein Kleinteil in dem Konflikt, das niemand wirklich braucht.)

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Später am Nachmittag, bin ich dann noch für einen unserer Muskelschwundpatienten zur Post gegangen, auf dem Weg hat mich ein Jude zu sich gerufen. Also bin ich zu ihm hingegangen und habe schon überlegt, was er von mir möchte, da es ein ganz normaler Wochentag war (Am Shabbat sprechen Juden ab und zu Goi, also Nichtjuden, an, ob sie ihnen das Licht anmachen könnten o.ä., Ausfühlicheres zum Shabbat hier).

Als ich näher kam fragte er mich, ob ich zehn Minuten Zeit hätte, mit ihm und den anderen acht zu beten. (Im Judentum braucht man zehn Männer um in der Synagoge beten zu können, sie waren nur zu neunt). Ich verstand wie er zu einem der anderen sagte: “Er braucht ja nur Amen zu sagen.” Irritiert von meinen fragenden Gesichtsausdruck fragte er mich ob ich überhaupt jüdisch sei, nachdem ich verneinte, konnte ich weitergehen. Das war auf Grund des Zeitdrucks auch ganz gut so, allerdings war ich doch ein bisschen traurig, weil bestimmt interessant geworden wäre.

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Walter Bingham

12 02 2010

Letztens, hatten wir im Hauskreis mal wieder Besuch von einem Holocaustüberlebenden, der uns jungen deutschen Volontären seine Geschichte in  Deutschland erzählt hat.

Er hieß Walter Bingham und wurde 1924 in Karlsruhe geboren, wo er die ersten gut 15 Jahre seines Lebens verbracht hat, bis er nach England fliehen konnte.

Mich hat es stark beeindruckt, dass er trotz der schlimmen Erfahrungen in seiner Kindheit uns so offen gegenübertreten konnte ohne verbittert zu wirken.

Er hat erzählt, wie schwer es für ihn in der Schule war, da die Lehrer ihn nicht drannahmen oder er schlechtere Noten bekam als der Mitschüler, der von ihm abgeschrieben hatte; jeweils mit der Begründung: „Ein Jude kann gar nicht so viel wissen.“

Im Laufe der Zeit wurde die Schulsituation immer schlechter, in den Pausen wurde er über den Schulhof gehetzt im Unterricht musste er alleine in der letzten Reihe sitzen, da man es den Ariern nicht zumuten konnte neben einem Juden zu sitzen. Zum Schluss wurden die Juden sogar ganz aus der Schule geworfen.

Wie falsch die nationalsozialistische Rassenkunde war, zeigt sich exemplarisch an zwei Geschichten die er erzählt hat: In der Klasse seines Cousins wurde ein blondes Mädchen vom zuständigen Rassekundelehrer vor der Klasse als rein arisch beschrieben. Allerdings war sie jüdisch. Auch seine Mutter – natürlich jüdisch – hat etwas ähnliches erlebt, nämlich meinte ein Offizier, der mit ihr anbandeln wollte, nur an der Hand erklären zu können, wie eindeutig ihre arische Abstammung war.

Am komischsten wurde mir selbst jedoch in den Momenten wo mir unbewusst ein leichtes Lachen rausrutsche, wahrscheinlich weil ich das gehörte nicht wahrhaben und glauben wollte oder konnte: Zum Beispiel dann wenn er selbstverständlich davon erzählte, „Saujude“ genannt worden zu sein oder einen Dolch rumgab, den jeder Junge in der Hitlerjugend erhielt, mit der Aufschrift „Blut und Ehre“. Warum diese Aufschrift? Seine Erklärung begann er mit der damals üblichen Liedzeile “Wenn das Judenblut vom Messer tropft, dann geht’s nochmal so gut”. Je mehr Juden also durch die Klinge verletzt oder umgebracht wurden, desto mehr Ehre bedeutete das für den Träger des Dolches.

Natürlich hat man in der Schule schon vieles über die Shoa gehört, allerdings haben solche persönlichen Erfahrungsberichte immer nochmal einen ganz anderen Einfluss auf mich.

Ich frage mich dann immer wie man in Zukunft mit den grausamen Ereignissen des Holocausts umgehen soll, auf der einen Seite sehe ich die Gefahr, dass man beispielsweise in der Schule, wo die Shoa in großem Umfang behandelt wird, überladen wird mit Informationen und das Thema nicht mehr hören kann. Auf der anderen Seite merke ich aber, wie eindeutig Zeitzeugenberichte festhalten, dass es schrecklich ist, was, vor allem mit dem jüdischen Volk, natürlich aber auch mit anderen Minderheiten, passiert ist und man darauf achten dass so etwas nie wieder passiert.

Abschließen möchte ich diesen Eintrag mit einem Zitat, dass Walter Bingham angebracht hat:

„For evil to succeed, it needs good people to do nothing.“ („Schlechtes kann sich nur durchsetzen, wenn gute Menschen nichts dagegen unternehmen.“)

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Video über meine Einrichtung

2 02 2010

Philip hat heute ein Video über das מעון נכים גילו (Maon Nachim Gilo – Behindertenheim Gilo) bei YouTube gefunden, das einen kleinen Einblick davon gibt, wo ich hier in Israel arbeite. Allerdings ist es nur auf hebräisch, aber so hört ihr auch mal, wie die Sprache klingt, mit der ich mich hier mehr oder weniger gut verständige:

Edit: In dem Video sind unter anderem die ehemalige Chef-Krankenschwester des Behindertenheims, der Verantwortliche für den Pool (in dem die Behinderten mit Hilfe schwimmen können um ihre Beweglichkeit zu fördern bzw. zu erhalten), die Haupt-Physiotherapeutin, die Frau, die für die Tiertherapie zuständig ist, und der Manager zu sehen.

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Yom Kippur

4 10 2009

Heute vor einer Woche wurde hier in Israel der im Prinzip höchste Feiertag begangen. Und zwar: Yom Kippur. An Yom Kippur, zu Deutsch Versöhnungstag, fasten alle Juden von einem Sonnenuntergang bis zum nächsten. Normalerweise erliegt das normale Leben hier schon an einem ganz regulären Shabbat, aber Yom Kippur hat dem ganzen noch die Krone aufgesetzt: Alle Läden geschlossen, kein Essen im Behindertenheim, keine Autos, ein Mitvolontär wurde auf der Straße sogar angesprochen, dass er nicht rauchen dürfe.

Diesen Tag konnten wir als WG natürlich nicht ungenutzt verstreichen lassen, weswegen wir verschiedene Aktionen gestartet haben:

  1. Haben wir den Einkaufswagen, den wir noch hier stehen hatten, ausgepolstert und sind damit die Straße runtergefahren: Einer saß drin, einer stand hinten drauf und hat gelenkt. Leider ist die Lenkbarkeit der Dinger doch sehr eingeschränkt, weswegen wir das Projekt irgendwann ein bisschen enttäuscht abgebrochen haben.
  2. Haben wir abends die typische WG-Aktion für alle Volontäre im ILAN in Angriff genommen, nämlich auf den Kran hier in Jerusalem-Gilo zu klettern: Tim war müde und krank und ist deshalb zu Hause geblieben, aber David, Johannes, Philip und ich haben uns auf den Weg gemacht. Nachdem wir hilfreiche Tipps von Tim eingeholt hatten, der schon mal oben war, und die Situation am frühen Abend auch bereits in Augenschein genommen hatten, wussten wir, dass es zwei mögliche Wege gibt. Den langweiligen und den coolen. Der langweilige Weg besteht einfach daraus, dass man ganz unten am Kran über Stacheldraht klettert. Für den coolen Weg muss man hinten um das Einkaufszentrum, zu dem der Kran gehört (Übrigens: Das Upton-Center wird seit Jahren nicht fertig gebaut, damit die Betreiber keine Steuern zahlen müssen), herum gehen und unter anderem über die Dachbalken eines ebenfalls nicht vollendeten Schwimmbads klettern, was ein bisschen risky war. Die zweite Problematik bestand darin, dass es an dem späten Abend sehr neblig war, weshalb immer die Gefahr bestand von den feuchten Sprossen abzurutschen. Im Endeffekt haben David und ich es nach ganz oben geschafft, die anderen haben lieber aufgehört, um nicht runterzufallen.
  3. Ist uns noch ein Sofa über den Weg gelaufen, das uns so gemocht hat, dass es über einen Zaun gesprungen und uns bis in die WG gefolgt ist.
Ich auf dem Kran
Ich auf dem Kran
David und ich auf dem Kran
David und ich auf dem Kran
Wir mit dem Sofa im Fahrstuhl
Wir mit dem Sofa im Fahrstuhl

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Wochenendseminar am See Genezareth

2 10 2009

Vor mittlerweile schon drei Wochen hatten wir unser erstes Wochenendseminar, und zwar am See Genezareth. Es ging während der drei Tage um das Thema „Auf den Spuren Jesus“.

Angereist sind wir, also die ILAN-WG, mit Ingrid und Olga, den Leitern von Dienste in Israel in Jerusalem. Das war sehr praktisch, da wir so die Buskosten sparen konnten und auch noch direkt von zu Hause abgeholt wurden. Die beiden sind schon früh gefahren, weswegen wir in Karei Deshe (dem Ort des Seminars) noch genügend Zeit hatten, ein konstruktives Gespräch über die teilweise schwierigen Bedingungen in unserer Einrichtung zu führen.

Die Unterkunft war sehr angenehm, die Ausschreibung als Jugendherberge lässt sich eindeutig als Untertreibung beurteilen. Sehr gutes Essen, Privatstrand und klimatisierte Räume kennt man von deutschen Jugendherbergen jetzt nicht unbedingt. Da wir als Volontäre jetzt nicht immer das beste Essen bekommen, haben einige andere sich beim ersten Abendessen überfressen und lagen mit Bauchschmerzen im Bett.

Abends begann das Seminar mit einem Bunten Abend (Ja ich weiß, komische Reihenfolge, den Bunten Abend zum Anfang zu machen). Jedenfalls gab es verschiedene künstlerische Darstellungen in Form von Kunst, Musical oder Theater und das ganze wurde von Johannes und mir moderiert.

Am Samstag hatten wir dann verschiedenes vor. Zunächst sind wir nach Kana gefahren, wo Jesus Wasser zu Wein verwandelt haben soll und haben uns die dort errichtete Kirche angeschaut. Mit solchen Orten kann ich immer herzlich wenig anfangen, wenn man so tut, als ob man genau wüsste, dass Jesus an der Stelle etwas Besonderes gemacht hat.

Umso interessanter war dann der nächste Ort, nämlich Nazareth. Hier haben wir uns keine touristischen Attraktionen angesehen, sondern das „Nazareth Village“ besucht. Sinn des Dorfes ist es, nachzustellen wie man vor zweitausend Jahren eventuell gelebt haben könnte. Dazu sind Schauspieler angestellt, die damals übliche Kleidung tragen und es wurde zentrale Punkte eines zeitgenössischen Dorfes nachgebaut. Das Ganze ist im Prinzip ein Weinberg, inklusive Wachturm, Wohnungen und Synagoge. Der Ansatz, dass es wahrscheinlich so war, aber man sich nicht auf angebliche Tatsachen versteift hat mir sehr gefallen. Außerdem konnte uns unser Guide viele Hinweise darauf geben, wie nah Jesu Gleichnisse teilweise an der Lebenswirklichkeit der Zuhörer waren, sehr interessant.

Nazareth Village
Nazareth Village

Beeindruckt hat mich auch die Synagoge, die in krassem Gegensatz zu vielen heutigen Kirchengebäuden steht. In so einer Synagoge, die sehr einfach ist, sitzt man im Kreis und hört nicht einfach in einer Kinositzmentalität dem, was vorne gemacht wird, zu, sondern beteiligt sich aktiv, streitet, diskutiert.

Nazareth Village - Synagoge
Nazareth Village – Synagoge

Als letzte Station vor dem Mittagessen waren wir auf einem Berg nahe Nazareth, von dem aus man auch den Berg Tabor sehen kann. Daran, wie der Berg genau hieß, erinnere ich mich leider nicht mehr, aber auf jeden Fall konnte man dort schöne Bilder machen. Wie dieses mit meinen WG-Kollegen:

WG-Foto
WG-Foto

Nachmittags bin ich mit ein paar anderen Volontären noch auf dem Berg der Seligpreisungen gewesen, wo Jesus die Bergpredigt gehalten haben soll. Ob es nun wirklich dort gewesen ist, wo heute eine Kirche steht, lass ich mal dahin gestellt, aber darum ging es mir auch nicht, vielmehr wollte ich mir mal vorstellen können, auf was für einem Berg Jesus so seine Predigt gehalten haben könnte.

Abgeschlossen wurde das Seminar mit einem Gottesdienst in Tabgah, dem Ort, dem man zuschreibt, dass dort die Speisung der Fünftausend stattgefunden hat. Drei Stunden Gottesdienst hatte ich bis dahin auch noch nicht erlebt.

Abschlussgottesdienst
Abschlussgottesdienst

Schönerweise wurden wir auch zurück nach Jerusalem von Ingrid und Olga mitgenommen und mussten Sonntag nicht mehr arbeiten.

Alles in allem, war es sehr schön, alle Volontäre zu treffen und eine Ahnung davon zu bekommen, wie es vor zweitausend Jahren so zuging. Überrascht hat mich vor allem, dass man den See Genezareth bei gutem Wetter komplett überblicken kann und dass die Orte, in denen viele biblische Ereignisse stattfanden, so dicht zusammen liegen.

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